Du bist was du isst #Werbungistblöd

Weißer Strand, türkises Meer, lange glatt rasierte Frauenbeine, eine blonde Traummähne und der Körper eines Supermodels. Karibische Klänge, der große runde Strohhut und schwups das leckere Kokosteilchen verschwindet in  den, durch wohlgeformten Lippen umrandeten Mund der Beauty. Raffaelo. Nicht irgendeine Süßigkeit – nein weit gefehlt!- es geht um die Leckerei der wahren Strandschönheit und schon die ersten drei Töne der Werbemelodie lassen den Werbefilm innerlich abspielen.

Nur komisch: ich esse jetzt schon die halbe Packung, die Speckfalte im Sitzen am Bäuchlein, dass wirklich schon mal straffer war, will nicht schwinden. Die kurzen Beine sind immer noch stoppelig, weil das letzte Mal rasieren 3 Tage her ist und statt Meer und Sonne zeigt mir mein Bürotisch einen dicken Stapel Arbeit. Irgendwas habe ich falsch gemacht, oder was will mir die Werbung damit sagen?

 

Macht der Gewohnheit

Kaffee und Kippe,

Umarmung zum Hallo sagen: Rechter Arm etwas oberhalb dem linken,

Einschlafen auf der linken Seite gedreht in Embryonalstellung,

Kaffee mit einem Schuss Milch- bloß nicht zu viel aber ohne Milch ungenießbar,

Schnitzel mit Ketchup und Mayo,

Eis in der Waffel und beim Schlecken möglichst lange und gleichmäßig am Rande im Kreis vorarbeiten,

Der Gutemorgen-, Tschüss- und Hallokuss beim Liebsten, auch wenn die Stimmung im Moment nicht gerade die prickelnste ist,

In den Urlaub grundsätzlich mehr mitnehmen als man braucht und dennoch alles waschen wenn man wieder daheim ist,

Das ich dich auch am Ende des Telefonates.

Es gibt Dinge die schleichen sich ein, manche mehr oder weniger bewusst. Verhalten oder auch Denkweisen die sich selbstverständlich und normal anfühlen. Erst wenn man jemand begegnet, der das anders macht, fällt es einem vielleicht auf, wie man fast schon zwanghaft auf gewisse Reize reagiert. Man Handelt ohne zu denken, obwohl man fest davon überzeugt ist, nicht gerade eine abwesender roboterhafter und vor allem vorhersehbar agierender Mensch zu sein. Momente die uns genau das wiederlegen tauchen auf und bringen uns zum Nachdenken und vielleicht auch zum Schmunzeln. So ist der heutige Bäckerbesuch anders abgelaufen als sonst:

Hallo was darfs sein?

-Vier Körnerbrötchen und ein Baguette bitte

Darfs sonst noch was sein?

-Nein danke, ist alles.

Fünfeurodreiundzwanzig

-Fünfdreizig. Dankeschön

Danke

-Einen schönen Tag noch

Ihnen auch

-Ebenfalls.

In dem Moment hab ich die Dopplung gar nicht wahr genommen, der neue Kunde wurde schon bedient und während ich zum Parkplatz lief musste ich feststellen, dass ich wohl nicht ganz bei der Sache war.

 

Freiheitsliebend

Nur der Horizont zeigt das Ende und mit jeder Meile beginnt auch er sich fortzubewegen. Mein Bike brummt gleichmäßig, bei konstanter Geschwindigkeit lassen wir die Welt an uns vorbeiziehen. Jeder Leitpfosten rast an uns vorbei, der Grünstreifen so schnell, dass die Grashalme zu einem grünen Teppich verbunden werden. Schon Stunden sind wir unterwegs, die alte Harley und mich auf ihrem Rücken. Wie die Zeit vergeht. Ohne Ziel bin ich gestartet einfach raus – weg, das Gepäck für ein paar Tage aufgeschnallt gilt es nun in der Freiheit etwas Ruhe zu finden. Ruhe um Nachzudenken, wo der weitere Weg hinführen mag. Entscheidungen wollen getroffen werden und der Holzweg verlassen. Es muss weiter gehen. Doch zum Überlegen benötige ich einen Ausflug mit der Harley. Die alte Dame war immer für mich da, wenn ich raus musste. Auch jenseits von jeglicher Zivilisation draußen in den Steppen hat sie mich nie im Stich gelassen. Die Einsamkeit in meinem zuletzt erlebten gefangenem Leben ist so viel höher wie hier in der Freiheit. Ohne Rast und Ziel nehme ich mir die Zeit die benötigt wird. Die Kilometeranzeige läuft und wird immer höher. Sie beweist, dass ich mich noch bewegen, wenn gleich ich automatisch fahre gar nicht mehr weiß wie weit es noch ist. Der Highway scheint unverändert seit 2 Stunden, die Straße erbarmungslos gerade und der Motor brummt monoton. Meine alte Dame trägt mich tapfer auf dem Rücken, das teils abgeranzte Leder der Sitzbank zeugt von unserer 20jährigen Beziehung. Meine alte Dame ist die einzige der ich treu bleiben werde, ist sie doch mein Schlüssel für die Freiheit.

Wandlungskünstler

Normalerweise beginnen bereits Kinder damit, im Alter von wenigen Monaten zu erleben, wie sie mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Wenn sie schreien, reagiert das Umfeld. Wenn sie das Spielzeug oder den Schnuller loslassen fällt er aus dem Kinderstuhl auf den Boden – und Mama hebt ihn wieder auf. Wenn sie im Supermarkt toben, weil sie Süßigkeiten wollen und Papa es verbietet, machen sie es solange bis Papa genervt aufgibt. Wiederholungsgefahr ist groß, denn sie haben gelernt, dass sie ihr Umfeld beeinflussen können. Heutzutage wird in der schulischen Laufbahn allzu oft vermittelt: Wenn du dich anstrengst, dann kannst  du alles erreichen. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Manchmal ist er steinig, Schulabschlüsse müssen nachgeholt, abends und am Wochenende nebenher gejobbt werden, die Freizeit steckt zurück, zugunsten des neuen Lernstoffs, der in den Kopf muss. Doch am Ende ist es dann doch die eigene Anstrengung die den Traum real werden lässt.

Immer mehr Menschen orientieren sich im Leben um. Nicht unbedingt die Pubertät oder Midlifecrisis ist ausschlaggebend. Es genügt schon der vielfältige Einfluss von allen Seiten, Bekannten und den Medien, die letztlich den Blick für die unbegrenzten Möglichkeiten der Welt öffnen. Man sieht was andere haben und will das auch. Das schnellere Auto, der vermeintlich bessere Job und die hübschere Tasche. Inspiriert vom Umfeld bildet man sich und sein Leben immer wieder neu. Baut um, mistet aus und findet sich wieder. Jeder Tag, jede Sekunde geschieht das unbewusste Umorientieren und ist verantwortlich dafür, dass wir im Laufe des Lebens den Geschmack (man denke an die Mode der 90ger), die Clique, den Musikgeschmack und das Lieblingsessen ändern.