Katzenschnupfen

Wie in meinem Blog zu erfahren ist, bin ich a) ein sehr tierlieber Mensch (Wie Haustiere zum Wohlbefinden beitragen) b) hatte ich selbst immer wieder Haustiere und auch schon so manches mit ihnen durchgemacht (Geliebt- Vermisst- Gefunden?).

Meine sensible Mieze kommt von einer Tierschutzstelle und wurde seit Einzug bei uns nie richtig gesund. Sie hustete, hatte Augenausfluss, nahm nicht zu und alle Medikationsversuche blieben erfolglos. Diagnose : FIV (Felines Immundefizienz- Virus) oder auch als Katzenaids bekannt. Das heißt unsere Maus hat ein sehr schwaches Immunsystem und ist deshalb extrem empfindlich bei “normalen Infektionen”, kann nicht mehr geimpft werden, verlor alle Zähnchen, hat eine chronische Hals-/Rachenentzündung und es gibt medizinisch keine Möglichkeit die Erkrankung zu heilen. Wie auch beim menschlichen Aids, ist dies kein Todesurteil, sondern vielmehr die Folgeerkrankungen durch das geschwächte Immunsystem. Unsere Katze ist mittlerweile 6 Jahre alt (und nun offiziell seit 4 Jahren FIV positiv). Sie hat ihre guten Tage, an denen sie viel raus geht, jagt, spielt und nicht kränkelt. Sie hat aber auch ihre schlechten Tage an denen sie knatschig wie ein krankes Kind anhänglich mauzend Zuwendung einfordert, kein Appetit hat, Schmerzen zu haben scheint und nur auf dem Arm ruhig wird. Schlechte Tage kommen meist nachdem sie bei kühlerem Wetter draußen war oder auch wenn es (psychischen) Stress gibt. Aktuell kommt beides zusammen, da wir einerseits bald umziehen (manche Kartons werden schon gepackt und sie merkt es bestimmt schon) und auch das Wetter frischer wurde.

Am Wochenende gab es so ein Katzenverwöhnprogramm (von dem mein kranker Freund nur träumen kann :D), was ziemlich gut geklappt hat. Denn schon heute geht es ihr viel besser und ich hatte das Gefühl ihr etwas von ihrem Leiden abnehmen zu können. Vielleicht habt auch ihr ein krankes Tierchen und könnt es nachvollziehen wie schwer es ist, diese Handlungsunfähigkeit abzuwarten. Vor allem wenn es um eine chronische Geschichte geht. Da klassische Medikation der Erkältungsanzeichen wie Antibiothikagaben und Co. in der Vergangenheit oftmals Nebenwirkungen bei unserer Katze ausgelöst haben bin ich nach und nach in Absprache mit dem Tierarzt auf Hausmittel umgestiegen. Was dem schnupfenden Mensch hilft, kann manchmal auch einer erkälteten Katze helfen. Deshalb berichte ich hier von meinen Gesundheitshelferchen und vielleicht sind sie auch für andere (Vierbeiner) wohltuend.

  1. Warmes Plätzchen. Ein Kirschkernkissen in der Mikro/Backofen erwärmen, dicke Decke drüber und Kätzchen darauf führen. Wenn es ihr gefällt, wird sie sich selbstständig hinlegen. Wenn nicht bitte keinesfalls dazu zwingen!!! Wichtig ist, dass es nicht zu heiß ist. Da meine Katze instinktiv immer schon die heißen Heizkörper im Winter aufsucht und sich direkt drauf liegt, diese aber (noch) ausgeschaltet sind, ist dies die Sommervariante, wenn es sonst schon angenehm warm ist. Wie auch kranke Menschen ist Wärme eine Wohltat für den fiebrigen Körper der mit einem Infekt kämpft.
  2. Wärme Milch mit Honig. Kein Witz, aber die Katzenversion des Klassikers kommt bei meiner Mieze sehr gut an. Man nehme: etwas Katzenmilch (laktosefrei!), heißes Wasser und etwas Honig. Umrühren bis Honig verlaufen ist. Mein Wasser: Milch Verhältnis ist 2:1. Wichtig ist, dass das Getränk nicht zu heiß ist, sondern zB am Handgelenk angenehm ist. Das gute an der Mischung ist, dass der kratzige Hals durch den Honig beruhigt wird und die Katze genug trinkt (unsere macht in Krankheitsfällen einen großen Bogen um Wasser).
  3. Weiches Futter. Abends bekommt die Katze bei uns immer Nassfutter. Dieses erwärme ich, indem ich etwas heißes Wasser dazukippe und dann gut vermische. Statt Stückchen gibts bei uns eh immer Pastete, was dann zu einem Matschigen Brei wird. Alternativ kann auch das Nassfutter in etwas Wasser eingeweicht werden. Bei Appetitlosigkeit hilft etwas Katzenmilch bzw das heiße Wasser (somit riecht das Futter intensiv). Gerade wenn der Patient sehr wenig isst und keine Fettreeserven hat, ist auch hier der erhöhte Aufwand das zaghafte Fressen wert.
  4. Viel Streicheleinheiten. Da unsere kleine Patientin dies auch regelrecht einfordert, vermute ich einfach mal dass ihr die Extraportion Zuwendung gut tut. Ausnahmsweise darf sie dann auch öfters auf den Schoß bzw. nah an mich ran liegen. Natürlich werden auch in solchen Phasen nicht alle Verbote über den Haufen geworden (sie darf z.B. trotzdem nicht beim Essen auf den Schoß, im Bett nur auf ihre Decke nicht auf die Bettwäsche,..), aber ich kümmere mich schon mehr um sie wenn sie krank ist.
  5. Verklebte Augen befreien. Typisch für Augeninfektionen ist klebriger Ausfluss, der den Bereich um das Auge verstopft. Die Katze versucht dies mit der Pfote abzubekommen, reibt am Auge und verschlimmert die Infektion. Alternativ mache ich etwas Kamillentee, tunke diesen (abgekühlt, noch lauwarm!) in etwas Watte, drücke diese aus und lege das warme Päckchen ein paar Sekunden aufs Auge. Anfangs hat dies unserer Katze nicht so gefallen, mittlerweile bleibt sie brav da und weiß, dass es dannach ein Leckerchen bekommt. Am Wattestückchen/-pad sind  anschließend schon lose Teilchen und das Auge verklebt weniger.
  6. Inhalieren. Bei Bronchitis und Husten hilft es das Kätzchen wärme Dämpfe einatmen zu lassen. Auch wenn verschiedene Heilmittel möglich sind, favourisiere ich die Inhalation mit einer normalen Kochsalzlösung. Dazu hab ich die kranke Mieze im Arm, sitze mit ihr am Tisch und vor uns befindet sich die heiße Salz-Wasserlösung. Über uns ist ein Handtuch ausgebreitet, sodass die warme feuchte Luft nicht entwischt, sondern direkt in unsere Näschen kommt. Eine ausführliche Erklärung gibt es hier. Bestimmt sind hier nicht alle Kätzchen so brav und bleiben auf dem Arm, weshalb die Inhalation auch im Transportkorb (hasst unsere Mieze so sehr , dass sie nicht rein geht) möglich ist, oder vielleicht in einem sehr kleinen Raum (z.B. Bad/Gäste WC).

Das sind unsere bewährten Hilfen gegen die typischen Erkältungssymptome. Natürlich sollte im Normalfall erst einmal der Gang zum Tierarzt gewählt werden um die individuell richtige Behandlung herauszufinden. Wie oben schon geschildert ist in unserem Fall der Tierarzt hier keine Hilfe, sodass die Hauspflege bislang immer gute Ergebnisse erzielen konnte. Wichtig ist mir auch noch zu sagen, dass das Leben mit einer FIV positiven Katze ja nun immer schwer vorherzusagen ist. Natürlich gibt es ein Wechsel von guten und schlechteren Tagen, wobei insgesamt die guten natürlich überwiegen. Trotzdem stelle ich mir immer wieder die Frage ob ich den Zeitpunkt erkennen werde, wenn wir unsere Katze von ihrem Leben erlösen müssen. Solange sie noch frisst, spielt und einen zufriedenen Eindruck macht könnte ich es nicht über das Herz bringen sie “einfach so einzuschläfern”. Dennoch weiß ich natürlich nicht wie schlecht es ist geht/ wie stark ihre Schmerzen sind. Es gibt auch heute leider noch viele (unwissende!) Tierärzte die bei einer FIV Diagnose (bitte nicht mit FeLV =Leukose verwechseln, die über Speichel übertragbar ist) zur generellen sofortigen Einschläferung raten. Dies ist wie sich unser Fall beispielsweise zeigt nicht erforderlich. Ganz im Gegenteil, unter guten Bedingungen kann eine FIV positive Katze trotz Ausbruch der Krankheit noch viele Jahre leben. Mehr hierzu auch dort. Übrigens ist Katzenaids nicht auf den Mensch übertragbar und auch die Artspezifische Übertragung unter friedlich lebende Katzen ist unwahrscheinlich, da diese über Blut (wie bei Territorialkämpfen bzw. Paarungsbiss) erfolgt. Ganz gezielt kann über diverse Tierschutzstellen bzw im Tierheim nach einer FIV positiven Katze gefragt werden. Mehrere kranke Tiere können so auch in Gesellschaft eine Chance auf ein Zuhause bekommen.

Habt ihr auch eine FIV + Katze/ Erfahrungen bei der Behandlung/ Lebenserwartung/ etc? Ich hoffe mit diesem Beitrag ein wenig aufgeklärt zu haben und vielleicht dem ein oder anderen etwas Mut gemacht zu haben, dass es doch noch Handlungsansätze als Dosenöffner gibt, wenn die moderne Medizin an ihre Grenzen stößt.

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