Wenn Eltern manchmal doch Recht hatten.

Samstag wurde schon von klein auf gewandert, natürlich ersichtlich in Anbetracht meines flauschigen rießen Hundes (oder fast schon Bruder), der schließlich die ganze Woche nur vor/nach der Arbeit ausgeführt werden konnte. Das Wandern erstreckte sich als füllendes Tagesprogramm auf 20-35 Kilometer und wenn die kleinen Kinderfüßchen streikten, wurde ich kurzerhand in den Wanderrucksack mit Kindertrageeinsatz eingetütet. Das ersteckte sich bis ins Teenialter, wobei die Freude und Motivation meinerseits stetig abnahm. Ewige Diskussionen mit den Erziehungsberechtigten (wie vermutlich in allen Haushalten mit pubertären Sprösslingen) endeten in dem Freifahrtsschein a lá “oh mach doch was du willst!”. Ich weiß noch genau welch Erleichterung das war nicht mehr mit zu müssen. Mit der Vorliebe für Geocaching, Pilze sammeln und Klettern habe ich das Wandern wieder neu für mich entdeckt. Beim ersten gemeinsamen Bergsteigen mit gefühlt uraltem Vater hat mich dann ganz schnell auf den Boden der (Konditions-)Tatsachen geworfen: trotz zwei sanierungsbedürftigen Knien springt er den Berg hoch während ich nach einer halben Stunde schon eine Trinkpause benötig.

Ähnliches erlebte ich auch beim Fahrradfahren, wo vor allem Sommertage prima dazu dienten mit dem Rad zum Bodensee zu fahren, gepaart mit Einkehren und einmal ins Wasser hüpfen. Recht schnell entfreundete ich mich mit meinem Mountainbike und merkte noch Tage nach einer in meinen Augen utopischer Sicht von 40 Kilometer einen schmerzenden Hintern. Heute benötige ich in den Theoriephasen mein Auto kaum noch und erledige alles mit dem Rad. Es ist jetzt nicht meine größte Leidenschaft aber günstig, umweltfreundlich und tut mir gut.

Ski-Fahren hingegen lernte ich mit 2 Jahren und dank regelmäßiger Förderung wurden schnell Erfolge in Form von Medallien ersichtlich. Lustig finde ich vor Allem heute noch ein Foto der Bregenzer Zeitung in der ich vermummt in einer gestrickten “Schalmützenkombi” und roter Kindersonnenbrille im Skianzug neben lächelnder blonder attaktiver Skilehrerin stehe, ganz verdutzt schaue (vermutlich nicht so Lust auf Fotos habe), während der blonde Männertraum neben mir mit der Sonne um die Wette strahlt. Doch mit der Pubertät wurden auch die neu angeschafften Carferski uncool und stattdessen musste ein Snowboard her. Lernen wollte ich es nicht professionell, sondern na klar- so wie meine Freunde- in mühsamer Berghochlauferrei und unzähligen Stürzen in der heimischen Natur. Mit ca 15 stellte ich den Wintersport dann ganz ein. Erst in den letzten zwei Jahren hat mich der Schnee dann wieder dazu gekitzelt, mit dem Board die Skilifte unsicher zu machen. Ich komme zwar jeden Berg irgendwie runter, aber um  Schanzenhüpfen und Tiefschnee oder Ziehstrecken muss ich einen ganz großen Bogen machen. Eine Ausfahrt in den Alpen so wie früher mit links, über mehrere Tage ist jedoch nicht möglich.

Das Bewegung an der frischen Luft, im Verein oder mit Wettbewerbscharakter gut tut und Spaß macht, wurde mir in jedem Falle mitgegeben. Mit zunehmender Selbstständigkeit und Ablehnung der elterlichen Regeln und Gebote gehören aber auch einige sportliche Tätigkeiten dazu, die ich letztlich verkümmern ließ. Stattdessen wuchs das Bild meiner bösen Eltern die mich zu Sport fast schon zwangen, wohingegen die beliebten Eltern des Freundeskreises tägliches Fernsehen und keine festen Abendbrotzeiten erlaubten. Heute sehe ich so manches anders und bin froh über die mitgegebenen Werte.

Umso schöner ist es nun, wieder Freude an vergessen geglaubten Interessen zu finden. Irgendwie doch zu merken, dass nicht alles was Mama und Papa einst für gut befanden vollkommener Schwachsinn ist. Natürlich ist der Aufwand höher nach mehreren Jahren Pause die einst sehr gute Kondition wieder annähernd zu erreichen, vor allem wieder als Anfänger dazustehen. Doch es lohnt sich irgendwie und vermutlich werde auch ich mal meine Kinder zu Wanderungen, Kletterausflügen und Pistensport mitschleifen.

 

 

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