Rangrangelei – Neue Stelle neues (Un-)Glück?

Der lebenslange Job an ein und derselben Stelle ist heute eine echte Rarität, stattdessen wird die Vita lang und abwechslungsreich. Der Wechsel in eine neue Firma in eine bis dato unbekannte Position mit neuen Kollegen wird immer öfter Alltag und bringt dennoch Aufregung mit sich. Wird mir die Stelle gut gefallen? Wie werden die Kollegen sein? Ob Großraumbüro, gemeinsame Besprechungen oder überschneidende Tätigkeitsfelder- die Harmonie im Team trägt nachweislich zu unserem Wohlgefühl bei der Arbeit bei. Wenn man nun noch bedenkt dass jeder 9. Erwerbstätige im Laufe seiner Erwerbsbiografie von Mobbing betroffen ist und als Risikofaktor unter anderem ein Mitarbeiterwechsel aufgezählt wird, ist mit dem Neustart in eine neue Stelle auch ein gewisser Druck zum sozialen Gefallen der anderen vermutbar.

Dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, welche Erfahrungen ich, bei meinen bisherigen neuen Stellen gemacht habe bzw. was ich auch schon beobachten konnte. Durch mein duales Studium wurde ich bislang alleine in meinem Unternehmen bereits fünf Mal auf eine ganz neue Station eingeteilt. Durch eine hohe Schülerfluktuation konnte ich auch schon einige Male miterleben, wie der Start misslang und was vielleicht nicht so der eigenen Integration dient.

Das neue Kollegenteam will schon am Anfang von der eigenen Teamfähigkeit, Verlässlichkeit und vor Allem Kompetenz überzeugt sein. Ob Einstandskuchen, (ernst gemeinte!) Komplimente oder zuvorkommende kreative Gesten, jedes Mittel ist recht um das erste Eis zu brechen.

Schwierig wird es in jedem Fall, in das alt eingesessene Team den perfekten Start zu landen. Während inhaltlich wie auch zwischenmenschlich die Rollen/Aufgaben sowie alle Besonderheiten schon eingespielt sind, muss der Neuankömmling erst mal die Lage checken und herausfinden welche Strukturen und Rangordnungen im Team vorhanden sind. Bei formalen modernen Organisationen bei denen “alle auf Augenhöhe und demokratisch” miteinander beraten, informieren und entscheiden, ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Zu Beginn empfehle ich daher zunächst jede/n neue/n Mitarbeitenden freundlich und offen zu begegnen, denn mögliche Einflussnahmen werden erst mit der Zeit transparent – und das wiederum bedeutet sehr viel Zeit für mögliche Fettnäpfchen und Faux-pas. Um die Sympathie etwas zu beschleunigen schadet es natürlich nicht gemeinsam Zeit zu verbringen. Jetzt muss es nicht unbedingt ein “heranschmeißen” an das neue Team sein, aber es schadet nicht offen, neugierig und flexibel genug zu sein, um einem gemeinsamen Pausenkaffee zuzustimmen.

An der neuen Arbeitsstelle ist natürlich nicht nur das Kollegen-Kennenlernen und deren Sympathie die Aufgabe sondern oftmals muss man sich erst mal neu Orientieren, Hineinarbeiten und die Abläufe kennen lernen. Bei Fragen steht einem meist ein Ansprechpartner zur Verfügung (Pate o.Ä.). Aber es schadet meist auch nicht darüber hinaus im Kollegenkreis mal nachzufragen wie beispielsweise mit den Stellen typischen Schwierigkeiten umgegangen wird. Natürlich gesteht man damit ein, dass man nicht alles perfekt kann doch genau diese Ehrlichkeit und vor Allem das Wertschätzen der Anderen, um deren Ratschlag zu fragen zeigen Menschlichkeit.

Damit wären wir beim Thema Authentizität: Egal wo ich bislang arbeiten konnte, ich hatte stets die Möglichkeit meinen besonderen Stil/meine Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Sei es bei der Kleidung (Bluse und lange Hose, muss nicht spießig, darf auch Bunt und Farbenkräftig), des Arbeitsplatzes (Ordnungssystem, Pflanzen, Postkarten, Bildschirmschoner), der Arbeitsweise (Gesprächsführung, Pünktlichkeit) oder was einem auch immer wichtig ist, es gibt meist die Möglichkeit sein Markenzeichen zu entwickeln und nach Außen zutragen. Selbst die immer gleiche Flechtfrisur oder die Tee-Thermoskanne kann unsere Arbeitspersönlichkeit mit der echten Person verknüpfen. Natürlich kann ich nicht mit Jogginghose zur Arbeit und reden wie mir der Mund gewachsen ist- aber letztlich muss ich auch nicht die uniformierte, roboterhafte besetzte Stelle sein, die weder Privatleben noch Charaktereigenschaften hat. Es kann einem selbst einerseits eine Art von Sicherheit vermitteln, wenn man sich nicht neu Erfinden muss und andererseits findet man auch in Interaktion mit anderen viel eher Themen über die man sprechen kann durch zB. ebenfalls einem Katzenbildschirmschoner 🙂

Das wäre soweit mal das Wichtigste was mir dazu so einfällt.

Letztlich ergibt sich das Zusammenwirken meist von selbst und benötigt weder Taktik noch besondere Bestechungsversuche (obwohl ein Kuchen immer gut ankommt!).

Sofern der Start einigermaßen gelingt, sind es dann – hoffentlich – die Leistungen die entscheiden, ob und wie weit man ernst genommen wird und welches Mitspracherecht man erhält. Denn wer bei der Arbeit fleißig, zuverlässig und loyal ist punktet gerade bei Teamarbeit mit Können. Zu vermeiden sind stattdessen in jedem Fall das Aufspringen auf interne – schon lang andauernde- Konflikte, Lästern über Kollegen und unfaires Verhalten. 

Dann kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen 🙂

 

Nun interessiert mich Eure Meinung! Welche Ratschläge habt ihr zum Thema, oder welche Erfahrungen von (un-)glücklichem beruflichen Neustart habt ihr gesammelt? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s