Vergänglichkeit

Es ist noch gar nichts so lange her, da standest du noch frisch und voller Farbenpracht da. Recktest deinen Kopf empor direkt nach oben Richtung Sonne. Heute lässt du diesen hängen, bist mehr Schein als Sein und zeugst von deiner kurzen Lebenszeit. Du verdörrst in wenigen Tagen und macht Platz für Neues. Du wirst auf den Kompost geschmissen, die Vase ausgeschwenkt und es ist als wärst  du nie gewesen. Nun gut, so ist das Leben. Altes muss für Neues weichen, wobei dies gerade im Tier- und Pflanzenreich so simple wie schlüssig scheint als nirgendwo sonst.

Ich schweife ab und lausche dem Gespräch, betrachte meine gute Freundin, die gerade von ihrer neusten Reise erzählt. Ihre tiefen Falten um die Augen, das Haar, das sehr viel heller und lichter wurde als in ihrer Blütezeit und die schlaffer werdende Haut erinnern mich an den welken Vaseninhalt. Noch eben schwärmt sie von der Freiheit im Singleleben, dem Ausstieg aus dem Ehetrott und der nun unendlich scheinenden Zeit für Spaß, Freunde und das wilde Leben. Ich gönne ihr es zu tiefst, doch soll sie den Zeitpunkt nicht verpassen, bevor sie auf den Kompost des Singlemarktes zu fliegen droht.

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3 thoughts on “Vergänglichkeit

  1. Als mir das erste Mal mit Erschrecken bewusst wurde, dass nichts, was ich in der Vergangenheit tat, jemals wieder Würdigung im Jetzt erhalten konnte, wurde mir total übel. Das alle Menschen, selbst die Allernächsten, zum Vergessen neigen, sich manches Bekannte in ihnen innerlich auflösen oder verhärten würde, das hatte mir nie zuvor jemand gesagt. Das Leben erschien mir ab diesem Moment tatsächlich als ein sinnloser Kampf, in dem ich mir wahrlich jeden Tag neu, meinen Platz verdienen sollte. Ich bin so glücklich, dass diese Wahrnehmung nur ein vorübergehender Moment im Aufwachraum, während einer mir nun scheinbar unendlichen Reise war. Danke fürs Emporkitzeln.

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    • Ja nun, es ist immer eine Frage der Interpretation. Man könnte hingegen ja auch die Ernsthaftigkeit und den Drang alles sofort richtig machen zu wollen in die Tonne kloppen- juckt in 20 Jahren doch niemand mehr wer was jemals getan hat? Da sind doch plötzlich viel mehr Freiheiten drin, der Mut vielleicht auch was zu riskieren, Fehler zulassen und vielleicht bewusst in die Moralfalle tappen.
      Mehr Leichtigkeit und Schwerelosigkeit in einer ernsten Zeit der Grübler sozusagen. Was auch immer man daraus machen mag 😉
      Danke dir für deine Rückmeldung!

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