Ausnahmefälle

Manchmal da braucht es überraschend wenig. Manchmal fällt es richtig leicht, mir zu erlauben zu sein, wer ich bin. Zu Akzeptieren, dass mein Schweinehund Schokolade der gesunden Ernährung vorzieht, das Rumlümmeln viel lieber mag als täglich die 10.000 Schritte, die ich mir bei Anschaffung des Fitnessarmbandes (Teufelsteil) täglich vorgenommen habe. Continue reading

Meine innere Welt – Bühnenreif

Dies ist der fünfte Beitrag der Reihe Meine innere Welt, nähere Infos hierzu gibt es Hier.

Den vorherigen Beitrag zum Thema Fluchtinstinkt gibt es hier.

Meine Farbe: Bunt und schillernd, wie der Regenbogen- scheinend in den grellsten Farben, alles schreit nach meiner Wichtigkeit, meinem Antlitz und jeder beneidet mich darum.

Mein Tier: Ein Pfau. Ist und bleibt er doch der Farbenprächtigste unter den Vögeln. Er ist  nicht nur ein Vogel, sondern hebt sich positiv von allen anderen ab. Nur die anderen können ihn nicht als den Schönen identifizieren wenn er sich verkriecht. Deshalb muss er raus, sein Federkleid präsentieren und alles klar machen: hier komme ich!

Eigentlich sitze ich nur da. Doch niemand sieht mir an was in mir vor sich geht. Ich versuch es mal wiederzugeben, doch ich kann gar nicht das treffen was ich wirklich meine- es geht so:Psychischeerkrankung#5Darsteller

Ich blicke mich umher und kann er gar nicht glauben: das hier soll eine psychosomatische Klinik sein?! Forschen Schrittes gehe ich auf diese Frau zu, so wie sie ausschaut noch eine Anfängerin, aber sie wird wohl wissen mit wem sie es zu tun hat. ,,He Sie da, wann kann ich eigentlich zum Orthopäden? Ich habe solche Rückenschmerzen! Und zum Frisör muss ich auch – überhaupt dringend benötige ich mal wieder eine Auszeit. Ich arbeite an einer Privatschule und erziehe drei Kinder- davon können Sie ja wirklich keine Ahnung haben. Wie alt sind Sie denn überhaupt wenn ich fragen darf?” Die Frau scheint nicht zu verstehen was ich will und vor allem WEN Sie vor sich hat! Sie vertröstet mich, will dass ich auf den Arzt warte und wie ich schon dachte Anfang 20  – pff, dass ich nicht lache, Lebenserfahrung hat man da ja wirklich nicht! Auf den Herrn Doktor bin ich ja nun wirklich mal gespannt, denken die doch immer, sie seien etwas Besseres. Und nun lässt er mich schon geschlagene 10 Minuten warten! Ich klopfe an die Bürotüre und möchte das Verfahren beschleunigen, dass kann doch nicht sein. Von einer Einrichtung die mir laut meiner Familie helfen soll erwarte ich wirklich einen besseren Service. “Guten Tag Frau Enrique, sie dürfen mich bekleiten, ich bin ihr behandelnder Arzt Herr Mandolf”, stellt sich ein großer schlacksiger Mann vor. Älter als vierzig ist der sicher auch nicht. “Ähm guten Tag.. aber haben Sie überhaupt einen Doktortitel? Von Amateuren habe ich die Nase nun wirklich gestrichen voll.”, stelle ich gleich mal klar. Er windet sich umher, wird wohl unsicher weil ich ihm auf den Zahn gefühlt habe. “Macht ja nichts, ich habe auch Erziehungswissenschaften, auf Lehramt, etwas Jura und Anatomie studiert. Sie können mir gerne glauben, ich weiß genau welche Therapie ich nun benötige und das ist eine Wellnessbehandlung. Danach geht es einer Frau gleich viel besser. Sie können sich das vielleicht nicht vorstellen aber ich Brauche meine wöchentliche Behandlung ansonsten entwickel ich Rückenschmerzen! Was bieten Sie denn da an? Haben Sie auch Fango?” Herr Mandel oder wie sich diese ungeeignete “Fachkraft” schimpft geht nicht auf mich ein. Arzt kann der wirklich nicht sein. Er denkt wohl ich bin nicht ganz orientiert im Oberstübchen, da kann ich ihn aber beruhigen und führe das Gespräch auf französisch weiter: ,,Parlez français?” ,,Or a little bit English?” ich warte vergebens auf eine Reaktion, war wohl nicht der hellste in der Schule. ,,Wissen Sie neben meiner Tätigkeit als Mutter- mit Leib und Seele- bin ich berufstätig, unterrichte an einem Privatgymnasium und pflege eine mehrsprachige Unterhaltungen. Können Sie das etwa auch?”

Freiheitsliebend

Nur der Horizont zeigt das Ende und mit jeder Meile beginnt auch er sich fortzubewegen. Mein Bike brummt gleichmäßig, bei konstanter Geschwindigkeit lassen wir die Welt an uns vorbeiziehen. Jeder Leitpfosten rast an uns vorbei, der Grünstreifen so schnell, dass die Grashalme zu einem grünen Teppich verbunden werden. Schon Stunden sind wir unterwegs, die alte Harley und mich auf ihrem Rücken. Wie die Zeit vergeht. Ohne Ziel bin ich gestartet einfach raus – weg, das Gepäck für ein paar Tage aufgeschnallt gilt es nun in der Freiheit etwas Ruhe zu finden. Ruhe um Nachzudenken, wo der weitere Weg hinführen mag. Entscheidungen wollen getroffen werden und der Holzweg verlassen. Es muss weiter gehen. Doch zum Überlegen benötige ich einen Ausflug mit der Harley. Die alte Dame war immer für mich da, wenn ich raus musste. Auch jenseits von jeglicher Zivilisation draußen in den Steppen hat sie mich nie im Stich gelassen. Die Einsamkeit in meinem zuletzt erlebten gefangenem Leben ist so viel höher wie hier in der Freiheit. Ohne Rast und Ziel nehme ich mir die Zeit die benötigt wird. Die Kilometeranzeige läuft und wird immer höher. Sie beweist, dass ich mich noch bewegen, wenn gleich ich automatisch fahre gar nicht mehr weiß wie weit es noch ist. Der Highway scheint unverändert seit 2 Stunden, die Straße erbarmungslos gerade und der Motor brummt monoton. Meine alte Dame trägt mich tapfer auf dem Rücken, das teils abgeranzte Leder der Sitzbank zeugt von unserer 20jährigen Beziehung. Meine alte Dame ist die einzige der ich treu bleiben werde, ist sie doch mein Schlüssel für die Freiheit.

Wandlungskünstler

Normalerweise beginnen bereits Kinder damit, im Alter von wenigen Monaten zu erleben, wie sie mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Wenn sie schreien, reagiert das Umfeld. Wenn sie das Spielzeug oder den Schnuller loslassen fällt er aus dem Kinderstuhl auf den Boden – und Mama hebt ihn wieder auf. Wenn sie im Supermarkt toben, weil sie Süßigkeiten wollen und Papa es verbietet, machen sie es solange bis Papa genervt aufgibt. Wiederholungsgefahr ist groß, denn sie haben gelernt, dass sie ihr Umfeld beeinflussen können. Heutzutage wird in der schulischen Laufbahn allzu oft vermittelt: Wenn du dich anstrengst, dann kannst  du alles erreichen. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Manchmal ist er steinig, Schulabschlüsse müssen nachgeholt, abends und am Wochenende nebenher gejobbt werden, die Freizeit steckt zurück, zugunsten des neuen Lernstoffs, der in den Kopf muss. Doch am Ende ist es dann doch die eigene Anstrengung die den Traum real werden lässt.

Immer mehr Menschen orientieren sich im Leben um. Nicht unbedingt die Pubertät oder Midlifecrisis ist ausschlaggebend. Es genügt schon der vielfältige Einfluss von allen Seiten, Bekannten und den Medien, die letztlich den Blick für die unbegrenzten Möglichkeiten der Welt öffnen. Man sieht was andere haben und will das auch. Das schnellere Auto, der vermeintlich bessere Job und die hübschere Tasche. Inspiriert vom Umfeld bildet man sich und sein Leben immer wieder neu. Baut um, mistet aus und findet sich wieder. Jeder Tag, jede Sekunde geschieht das unbewusste Umorientieren und ist verantwortlich dafür, dass wir im Laufe des Lebens den Geschmack (man denke an die Mode der 90ger), die Clique, den Musikgeschmack und das Lieblingsessen ändern.

Meine innere Welt – Ordnungsfimmel

Dies ist der dritte Beitrag zur Reihe Meine innere Welt, nähere Infos hierzu gibt es Hier.

Den vorherigen Beitrag vom letzten Freitag zum Thema Trauer könnt ihr hier gerne nachlesen.

Meine Farbe: weiß, wie eine sterile Flecken lose Oberflächenstruktur mit einer glatten kühlen Beschaffung.

Mein Tier: Eine Schlange, die mit ihrer Anmut und Eleganz ihre Umwelt überblickt, die langsam und mit bedacht sich bewegt und doch im richtigen Moment blitzschnell zuschnappt.

Eigentlich sitze ich nur da. Doch niemand sieht mir an was in mir vor sich geht. Ich versuch es mal wiederzugeben, doch ich kann gar nicht das treffen was ich wirklich meine- es geht so:

Ordnungszwang

Ordnung ist das halbe Leben? Nein, wohl eher das Ganze. Geregelte Abläufe vereinfachen, schaffen Orientierung, sind verlässlich. Ich plane heute die Mahlzeiten der Woche, lege den Einkaufszettel gemäß der Ordnung im gewohnten Supermarkt an. Eingekauft wird, wie jeden Montag um 10.05 Uhr. Denn um diese Urzeit sind die Waren noch frisch genug, die Berufstätige schon wieder weg, die wenigen Rentner noch nicht da und der Verkehr  ideal, sodass es gerade einmal 3 Min und im Schnitt 40 Sekunden von meiner Tiefgarage bis zum Parkplatz dauert. Außerdem sind alle Waren frisch am Morgen eingelegt worden, da am Sonntag die Regale leer sind. Auf den Einkaufswagen verzichte ich zwar nicht, desinfiziere ihn jedoch am Handlauf, so wie jeden Montag. Bereits im Voraus berechnete ich den Endpreis, sodass ich an der Kasse bar und passend bis auf den Cent bezahle. Es sind 52 Waren in meinem Wagen, wobei das Obst wie die Trauben als eine Sache gezählt werden darf. Im Auto zurück bediene ich die Lautstärkenreglung des Radios und stelle ihn auf eine gerade Zahl. Ich warte bis die Musik erklingt und mache mich auf den Heimweg. Dabei zähle ich die 6 Ampeln und 8 Leitpfosten, nehme die tägliche Bäckerschlange (heute 4 Kunden bei gerade einmal einer Verkäuferin) wahr und erhasche einen Blick auf die Kinder welche zum Sportunterricht (der Beginn muss wohl um  11.15 Uhr sein) laufen. In der Garage, lade ich den Wagen aus und vergewissere mich an allen Türen ob abgeschlossen ist. Man weiß ja nie. Beim Treppensteigen wird wie immer jede zweite Stufe ausgelassen. Mit den schweren Einkaufstüten ganz schön wackelig und doch halte ich mich strikt daran, meiner Gewohnheit treu zu bleiben. In der Wohnung wasche ich die Hände- 5 Sekunden unter kaltem Wasser, seife mich 20 Sekunden ein, bis über die Unterarme und spüle dann bei heißem Wasser die Hände gründlich ab. Die Herausforderung hier, schnell genug die Seife abgewaschen zu haben, bevor das Wasser zu heiß wird. Klappt nicht immer ohne Schmerzen, aber die aktuelle medizinische Arztseife ist leicht abwaschbar. Anschließend wechsel ich die Kleidung von meinem Ausgehoutfit mit brauner Hose und weißem Poloshirt zum schwarzen Hemd mit blauer Chino. Die alte Kleidung wird auf links ausgezogen und in den Wäschekorb gelegt – natürlich farblich getrennt.

 

Feder im Wind

Es ist wie es ist. Eigentlich ein simpler Rückschluss, resultierend  aus der Erfahrung nicht alles beeinflussen zu können. Mal für Mal erfahren zu haben, dass nicht die größten Bemühungen, das lenken können was andere betrifft. Dem Schicksal,Glück, der Handlungen und der Wohlgesinnung der Meinungsgebenden ausgeliefert, mit der Hoffnung, dass schon alles irgendwie wird. Naiv? Wohl eher Grundvertrauen in die Sinnhaftigkeit des Lebens. Darauf bauend, nicht nur eine im Wind wehende Feder zu sein. Nicht nur dem Wind und Wetter ergeben vollkommen tatenlos und rein zufällig an einem seidenen Faden hängend. Sondern vielleicht eher als Teil einer größeren wichtigen Einheit seinen Dienst zu tun. Continue reading