Blendung um zu schützen

Weisheiten a là “Der Weg ist das Ziel” werden einem gerade so eingetrichtert und man erwischt sich dabei sogar selbst anderen optimistisch Mut zu machen, wenn Ziele nicht erreicht werden und Traumblasen platzen.

Tina ist am Boden zerstört, die Prüfungsergebnisse bestätigen ihr schlechtes Bauchgefühl. Ihrer  Freundin vertraut sie es schließlich an und erhält prompt eine Antwort. ,,Wie du hast dein Abi verhauen? Komm schon, ein Abitur ist Abitur, die Noten sind doch nur zweitrangig! Eine 3,0 ist doch vollkommen in Ordnung, bedenke doch mal wie hart du es die letzten Jahre gehabt hast mit der Trennung deiner Eltern und dem ganzen Stress. Ich finde du kannst wirklich stolz sein, es überhaupt geschafft zu haben, das Abitur ist schließlich der höchste Schulabschluss den man machen kann.”

Für Außenstehende mag das ja alles stimmen, aber wie fühlt es sich an, wenn man sich selbst in etwas gescheitert sieht? Wenn man weiß es hätte klappen können, doch eigene Fehler – Optimistische Zuredende betonen hier auch gerne die unfairen viel zu schweren Anforderungen die an einen gestellt wurden- hindern am Bestehen.

Egal wer seinen Stolz ausdrückt, stattdessen andere Erfolge in die Höhe zieht oder schlicht und ergreifend Manipulative Argumente zum Trost einsetzt, das eigene Versagen bleibt subjektiv gesehen genau gleich belastend. Man ist auf niemand sauer, nicht die bösen bösen Lehrkräfte, Mitschüler die mehr während dem Unterricht geredet haben oder Eltern die keine Nachhilfestunden bezahlen wollten. Das Versagen ist sich selbst zuzuschreiben. Eine Blendung der Realität durch externe Schuldzuweisungen an das Umwelt oder Verdrängen durch Hervorheben anderer positiven Leistungen hilft natürlich temporär, um den Versagensgefühlen zu entkommen.

Doch für das Leben gesehen gehört es meines Erachtens dazu, sich selbst gegenüber kritisch genug sein, um Fehler zu finden und daraus zu lernen. Selbstverständlich ist auch hier nicht der rationale Fehlerfinder und Optimierer per se gemeint, sondern in Kombination mit einer gütigen Selbstliebe die Fehler nicht als Katastrophe deklarieren. Um mit sich selbst im Reinen zu sein, gehört es dazu sich zu kennen, wie man selbst die Welt begreift aber auch welche Schnittstellen mit der Umwelt zu Spannungen oder Herausforderungen führen. Das könnte einem natürlich auch egal sein und man lebt so vor sich hin, doch andererseits bestrebt man ja schon ein gutes Leben zu führen, Freunde und geliebte Menschen zu haben, Anerkennung, Erfolge und Aufgaben zu erhalten, seinem Leben die Würze zu geben.

Das erklärt auch warum wir die anderen Trösten mit den Floskeln die bei einem selbst nicht anzukommen vermögen. Doch damit zeigen wir Loyalität und fühlen uns zuletzt auch selbst besser, trotz der absoluten Ohnmacht gegenüber der belastenden Situation im Leben unserer Freunde, irgendetwas tun zu können. Ablenken, Trösten, da sein. Und ganz ehrlich erinnert man sich doch auch an die ein oder anderen Situationen in denen es verdammt wichtig war, das wir getröstet, ablenkt oder uns zugehört wurde.

,,Tina, komm schon, lass den Kopf nicht hängen! Lass uns raus gehen, was unternehmen, Eis essen gehen. Das wird schon wieder!”

 

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One thought on “Blendung um zu schützen

  1. Es ist schwierig tröstende Worte zu finden, denn, wie Du sagst, meistens bleibt das Gefühl des Versagens im Gegenüber. Aber ehrlich gemeinte Worte helfen trotzdem ein wenig oder auch eine andere Perspektive… oder eben auch miteinander etwas unternehmen.
    Herzlich. Priska

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