Einen einsamen Wolf zum Rudeltier machen

Es ist nicht einfach ein Mensch zu sein und doch wird es erwartet,  sich möglichst reibungslos im Leben zu Fügen. Kinder haben keine Möglichkeit auszuwählen oder mitzusprechen in welche Familie sie geboren werden. Dabei fängt hier der ganze Zirkus unter Umständen schon an. Das so eben geborene Kind weiß noch gar nicht was um es geschieht- raus aus Mamas warmen dunkeln Nest- hinein in die grelle kalte Welt. Das Baby braucht nun erstmal liebevolle Menschen um es herum, die ihm Sicherheit geben und Schutz vor der neuen kalten Welt. Doch was wenn da nicht ein oder mehr Menschen da sind, die sich um das Kleine kümmern, es kennen lernen wollen oder versorgen können. Wie soll ein Mensch das Urvertrauen in sein Umfeld entwickeln, wenn er in Zeiten der absoluten Abhängigkeit spürt das niemand kommt. Ihn niemand tröstet wenn er weint. Der Mensch lernt sich auf sein Umfeld nicht verlassen zu können. Wird selbstständig, gezwungener Maßen, da er schneller für sich sorgen muss als andere. Im Kontakt mit anderen Menschen bekommt das Bild der Familie einen vielleicht ganz anderen Beigeschmack, man beobachtet im Kindergarten liebende Eltern, engagierte Eltern in der Schulzeit zu liebe der Jüngsten und Arbeitskolleg*innen erzählen von den unterstützenden Eltern, die auf Haus und Hund aufpassen. Man selbst möchte auch eine Familie, will geliebt werden und Liebe zurück geben. Vielleicht das schöne Zuhause bieten, das man selbst nie hatte. Doch wie kann es gelingen einem anderen Mensch etwas zu schenken das man nicht erfahren hat, etwas das man sich zwar märchenhaft ausmalt, aber durch seine unsichere Bindung selbst nicht umsetzen kann. Man versucht es, wie die anderen Gleichaltrigen ein besonderes Mädchen kennenzulernen, sich von seiner besten Seite zu zeigen und freut sich auf Erwiderung, doch nach der Phase der rosaroten Brille kommen die ersten Konflikte und plötzlich scheint die Traumblase zu platzen. Getriggert von der Kindheitserfahrung, ab nun verloren zu haben, wird der Kontakt zu dem Mädchen abgebrochen, man hat schließlich gelernt sich zu schützen. Er bleibt ein einsamer Wolf, wird darin bestärkt, dass die Liebe nichts für ihn ist und nur Probleme macht, fühlt sich zurück versetzt in das kleine bedürftige Kind dessen Bedürftigkeit ignoriert wird und damit unerfüllt bleibt. Sie hingegen versteht die Welt nicht mehr, es lief doch bisher alles gut und die Chemie stimmte, hatte er vielleicht eine andere? War sie für ihn nur eine Eintagsfliege? Warum machte er aus dem nichts Schluss?

Für den einsamen Wolf geht es weiter: Dies wiederholt sich nicht nur was die Liebe betrifft, sondern auch auf Freundschaftlicher Ebene. Beziehungen zu führen muss gelernt sein und das was die Menschen als Standard erwarten, die eine einigermaßen behütete Kindheit hatten, kann auf absolutes Blockieren des Gegenübers führen. “Beziehungsunfähig” ist dabei eine gern genutzte Bezeichnung, ob unter Freundinnen beim Trösten des Liebeskummers, oder Kumpels die gefragt werden warum XY noch niemals eine längere Romanze hatte.

Hin und wieder gelingt es den einsamen Wölfen unter uns ein Beziehungsangebot zu machen, das ihnen dabei hilft, das Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen wieder zu erlangen. Doch wer sich dies zur Aufgabe setzt, muss auch damit rechnen, dass der Versuch scheitert, darf sich nicht emotional vom Helferbedürfnis leiten lassen, sondern akzeptieren, welche Macht die ersten Lebensjahre auf unser späteres Leben haben.

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