Prüfungsangst

Wie zweimal im Jahr hat sich bei mir das Prüfungsfieber wieder ausgebreitet. Jede Lerngruppe, jedes mal Zusammenfassungen durchlesen, jede fiktive Klausursituation, jedes weitere beschriebene Blockblatt, jede neue Skizze, jedes mühsam erarbeitete Schaubild der miteinander verknüpften Prüfungsinhalte, jedes ergänzende Youtube Video und alle anderen Bemühungen gehen einher mit der Hoffnung an den Punkt zu gelangen an dem ich tief in mir weiß es ist genug getan. Wie immer habe ich auch dieses mal schon früh mit der Vorbereitung angefangen und mich dabei von Kommilitonen belächeln lassen. Wie immer denke ich eigentlich rational fest, dass ich die Prüfung gut hinter mich bringen werde. Wie all die Male zuvor. Ich rede mir ein, dass ich den Stoff ganz gut verinnerlicht habe und es auch schaffen werde in der Prüfungssituation abzuliefern. Gedanklich gehe ich den Tag durch, von der WG Zimmer Türe, den Weg in den Prüfungsraum, die Zweistunden an meinem immer gleich gedeckten Tisch (Links neue Blätter, dahinter das Aufgabenbündel, rechts hinten Trinkflasche, ein Müsliriegel, ein Päckchen Tempos, Kaugummis und rechts vorne ein Kugelschreiber, ein Füller, ein Bleistift), die Ohren verschlossen mit Ohropax, die all die 50 anderen Schreiblinge ausblenden. Die Zeit wird wie im Flug vergehen, ich werde vor der Abgabezeit alle Aufgaben erledigt haben und zuletzt noch mal zufrieden alles überfliegen, bevor ich das ordentlich zusammengelegte Prüfungsbündel abgebe, meinen Tisch abräume und hinaus stürme. Wie immer werde ich danach völlig erleichtert und befreit sein, unabhängig davon wie herausfordernd die ein oder andere Aufgabe gewesen ist. Einfach frei, es geschafft zu haben, diesen rießigen schweren Stein auf meiner Brust losgeworden zu sein. Wieder tief atmen können, wieder Appetit haben, hinaus zu den anderen ins freie treten und die Prüfung abhaken können.  Wie immer wird alles gut gehen und spätestens wenn ich auf dem Heimweg bin, werde ich mich darüber fast schon amüsieren, weshalb ich mir umsonst so einen Stress gemacht habe. Klar ist eine Prüfung eine Leistungskontrolle, aber ich bin doch auch motiviert, fleißig und praktisch erfahren. Im nachhinein wird alles so easy sein.

Aber heute ist die Prüfung noch in unmittelbarer Zukunft. Heute warte ich noch vergeblich auf das Gefühl, nun mit dem Lernen aufhören zu dürfen. Heute fieber ich dem Termin in zwei Tagen entgegen, will es am liebsten jetzt sofort hinter mich bringen und befürchte meine Prüfungsangst wie sie all die Male zuvor da war. Heute plane ich bereits, wann ich welche letzte Henkersmahlzeit zu mir nehmen kann, bevor es mir den Magen zuschnürt, die Luft abdrückt und ich nicht mehr schlafen kann. Aber vielleicht wird diesmal auch alles anders. Mein rationales Verständnis über die völlig unbegründete Prüfungsangst ist vielleicht auch in die Emotionen durch gedrungen. Meine in den letzten Monaten erworbenen Skills zur Emotionsregulation kann ich mittlerweile vielleicht noch zielgerichteter gegen meine Aufregung einsetzen. Und vielleicht wird es diesmal sehr viel einfacher den Angstberg zu überwinden. Denn ich weiß ja, spätestens wenn ich die Aufgaben vor mir habe, werde ich funktionieren, die Emotionen bei Seite schieben und abliefern.

 

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