Unerkannt krank?

Chronische Erkrankungen sind im Gegensatz zu akuten Erkrankungen von langer Dauer (manchmal ein restliches Leben lang), schwer zu behandeln und laut WHO nicht ansteckend (Vgl. Naturheilt.com hier mehr dazu). Betroffene leiden damit oftmals besonders an ihrer unklaren Prognose und begrenzten Handlungsspielraum. Dabei können chronische Erkrankungen ein ganz unterschiedliches Maß an Ausprägung und Einschränkungen für Betroffene bringen. Obwohl chronische Erkrankungen allein durch ihre teils sehr lange Dauer, selten besonders gefährlich sind (als vergleichsweiße ein Herzinfarkt oder Unfälle), belastet doch die lange Dauer Betroffene enorm. Sind die Einschränkungen “nicht so stark”, als das eine Erwerbstätigkeit unmöglich wäre, werden chronisch Erkrankte als normaler Teil der Gesellschaft wahr genommen. Einerseits ist dieses gesellschaftliche Untergehen zwischen den “Gesunden” im Sinne der Stigmatisierung ein positiver und inklusiver Aspekt. Andererseits ist das Nicht(an)erkennen von chronischen Erkrankungen eine Diskriminierung von Betroffenen und zeigt in der Praxis, dass oftmals zu hohe Anforderungen an die von außen wahrgenommenen voll “gesunden Menschen” gestellt werden.

Äußerlich gesund? Diese Bild der  nach außen aufrecht erhaltenden vollkommen funktionstüchtigen Mitglieder überträgt sich doch auch auf Betroffenen selbst. Folge davon sind Menschen die ihre chronische Erkrankung nicht als solche anerkennen (wollen), sondern vielmehr versuchen den gesunden Mitmenschen nachzutun. Doch die Erkrankung ist damit nicht heilbar, sondern verschlimmert sich gerade bei psychosomatischen Erkrankungen nur noch, durch Perfektionsbestrebungen, Überlastung, Stress und wenig Schonung. Der Versuch, die Erkrankung nicht als solche zu sehen zeigt negative Konsequenzen für Betroffene und das Gefühl, sich selbst im Weg zu stehen. Unter Umständen beginnt ein täglicher Kampf gegen sich selbst, Geist gegen Körper.

Verleugnung = Gesund? Rational betrachtet macht das alles keinen Sinn, denn wie soll ein Diabetes verschwinden, wenn weder Diät gehalten wird noch die verordneten Medikamente genommen werden. Die Folge ist ein völlig entgleisender Blutzucker der den Organismus nur noch mehr aus der Balance bringt.

Selbstsorge bedingt Fürsorge. Das Anerkennen der eigenen Erkrankung und damit einer Reaktion darauf ist, wenn auch ein langer, der einzig zielführende Weg. Das Autogene Training kann mit wiederholenden Selbstbotschaften unsere Sichtweise dahin gehend verändern:

Diese Krankheit gehört zu mir, sie ist ein Teil von mir wie alles andere. Wenn jemand krank ist, muss man sich um ihn kümmern, also muss ich mich mehr um mich selbst kümmern.

Doch die Angst davor, sich mit der eigenen Krankheit auseinander zu setzen und auch im Umfeld deshalb vielleicht anders wahrgenommen, strebt oftmals gegen eine weitere engere Auseinandersetzung mit der eigenen Schwäche und Verwundbarkeit. Doch mit der Zeit kann es gelingen, durch ein integrieren der Erkrankung und vor allem den Kenntnissen um Zusammenspiel mit auslösenden Faktoren und verschiedenen Krankheitsepisoden, diese als weniger negativ sondern vielleicht sogar als wertvoll für das eigenen Wohlbefinden zu beurteilen.

Wenn ich Stress habe geht es mir schlechter, doch statt mich zu ärgern, dass ich nicht funktioniere, bin ich dankbar über das eigene Notfallsystem, das mich warnt bevor ich mich nachhaltig schädige. Meine intuitiven Alarmglocken nehme ich wahr und reagiere darauf mit Schonung. Mein Körper zeigt mit dann die Grenzen, wenn ich sie geistig nicht wahrnehmen kann.

Mit einer (oder dieser) positiveren Haltung sind chronische Einschränkungen nicht nur weniger störend für einen selbst, da sie anders bewertet werden, sondern können sich auch als weniger stark entwickeln, indem bereits erste Warnzeichen als Einläutung eines neuen Schubs registriert und behandelt werden können. Auch die Entlastung darüber, dass die chronische Erkrankung nun schon länger besteht und deren Gefährlichkeit überschaubar ist, können zu einer Neubewertung der Situation führen. Auch das professionelle Hilfssystem zB. hier: Coaching, Lebensberatung hilft hier weiter, sofern externe Unterstützende bei diesem Prozess hinzugezogen werden sollen.

Ich lebe mit meinen Einschränkungen und weiß sie können mich in meinem Charakter nicht verändern, ich bleibe autonom und lebe dennoch gerne. Ich bin gut so, wie ich bin.

Letztlich hat niemand die Wahl, den es erst mal betrifft, seine chronische Krankheit wieder loszuwerden, doch eine Akzeptanz dieser und darauf eingehende Reaktionen können dennoch zum persönlichen Glück führen! Denn Das Glück wohnt (auch) in dir.

Ich bin dankbar dafür, was ich machen kann und stolz darauf, wie ich trotz meiner Einschränkung im Alltag bestehen kann.

Kennt ihr Menschen mit chronischen Erkrankungen oder seid vielleicht selbst davon betroffen? Wie stellt ihr euch das (leichtere) Leben damit vor und womit können sich Betroffene selbst vielleicht helfen? Was denkt ihr?

 

Weitere Interessante Literatur: PDF Bewältigung chronischer Krankheit- Schaeffer/Moers 2008

 

Advertisements

2 thoughts on “Unerkannt krank?

  1. Lieber Freigeist,
    da ich seit 1994 an Multiple Sklerose erkrankt bin, gehöre ich wohl auch zu den chronisch Erkrankten. Ich habe mich lange sehr schwer damit getan, die MS zu akzeptieren. Ich tu mich immer noch sehr schwer damit. *seufz* Dazu kommt, dass ich sehr perfektionistisch veranlagt bin. 2 Eigenschaften, die nicht dazu beitragen, glücklich durchs Leben zu schreiten. Doch irgendwann muss auch ich das schaffen! Wenn ich ehrlich bin, bewege ich mich seit einiger Zeit in die richtige Richtung! Tschakka! \o/

    Liked by 1 person

    • Liebe Katrin, ich denke das das Verhältnis zu sich selbst und damit auch womöglichen chronischen Erkrankungen keine absolute Akzeptanz sein kann, sondern vielmehr es immer wieder Phasen der Ablehnung und auch des Kampfes mit sich selbst bedeutet. Doch dabei sollten wir alle nicht zu hart mit uns sein, sondern wie du in deinem letzten Post auch mal NEIN sagen! Weiter so! Lieber Gruß Freigeist

      Liked by 1 person

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s