Schweres Elefantenmädchen gesucht

Mama Elefant Ellonora ist mit ihrem Kind Lotte das erste Mal auf Wandertour ohne die bekannte Herde. Der Weg ist sehr lang und die beiden legen immer wieder eine Rast ein. Während Ellonora einen sicheren Unterschlupf sucht erkundet Lotte die Gegend nach Spielkameraden. Sie trifft am Wasserloch auf eine Gruppe Löwenjunge. Sie tollen miteinander und raufen sich laut lachend. Lotte schaut fasziniert dem Spiel zu und bekommt Freude mit zu machen. Sie geht auf die spielenden Jungen, doch sie hören sofort auf zu Spielen. ,,Hallo ich bin Lotte, darf ich mitspielen?” ,,Duuuu? Hahaha hast du schonmal einen Elefant elegant tollen sehen?”, antwortet der Löwe mit dem glänzenden Fell. Die anderen beiden lachen ebenfalls schallern und Lotte sucht traurig den Weg zurück zu ihrer Mama. Sie geht vorbei an den hohen Bäumen und ärgert sich, darüber nicht auch ein kleiner leichter Löwe zu sein, sondern jetzt schon ein schweres Elefantenmädchen, das nicht mit den Löwen spielen kann. Ein lautes Quietschen über ihr, lässt sie innehalten. Nanu was geht da vor sich? Schon flitzt neben ihr ein kleiner Affe runter auf die Erde und versucht sich daran, den von oben fliegenden Früchten auszuweichen. Ruckzuck wechselt er den Baum und ist wieder schneller oben als Lotte glauben kann. Lotte strahlt über das ganze Gesicht und kann es nicht erwarten bei diesem Spaß dabei zu sein. Doch die Affen sind ganz oben in den Kronen der mächtigen Bäume und so laut dass Lotte sich kein Gehör verschaffen kann. Sie überlegt wie sie mitspielen kann und versucht sich daran, ebenso wie der kleine Affe am Baumstamm hinaufzuklettern. Mit viel Anlauf versucht sie es. Lotte rutscht dabei ab und fliegt in hohem Bogen auf ihren Po. Dabei ist es ganz ruhig und auf einmal ertöhnt schallendes Gelächter aus den Baumkronen: ,,Haha hab ihr das gesehen? Ein Elefant der dachte er sei ein Kletterer wie wir!”. Das Gelächter wird immer lauter und Lotte kann ihre Tränen nicht mehr zurück halten. Sie ist traurig, dass alle über sie lachen und hat Schmerzen in ihrem Bein. Aber am meisten ärgert sie sich darüber nicht mitspielen zu dürfen, nur weil sie ein schweres Elefantenmädchen ist. Humpelnd und schniefend macht sich Lotte auf den Weg zurück zu ihrer Mama. Ellonara hat inzwischen ein gemütliches Lager errichtet und vermisst ihr Mädchen schon. Als sie Lotte angehumpelt kommen sieht, rennt sie ihr besorgt entgegen. ,,Lotte Schatz was ist dir passiert?”, fragt Ellonora ganz entsetzt? Lotte erzählt von ihren Eindrücken und weint dabei laut. ,,Mama, wieso kann ich nicht wie die anderen sein? Wieso bin ich nur so ein schwerer Trampel?”. Ellonara drückt ihre Tochter tröstend an sich. ,,Lotte du bist wunderbar so wie du bist. Du bist ein Geschenk des Himmels und ich bin mehr als froh dich zu haben. Weißt du, es wird immer andere geben, die vielleicht flinker sind aber das sind doch nur Oberflächlichkeiten! Es geht um mehr im Leben und dein großes Herz ist viel mehr wert, als alles andere!” Lotte  kann ihrer Mutter  nicht zuhören. Sie weiß, dass Mama es nur gut meint, aber Mamas sowas sagen müssen. Niedergeschlagen geht sie zu Bett und liegt noch stundenlang wach, sich umherwälzend im trockenen Stroh. Mama Ellonora schläft ganz tief und macht zufriedene Geräusche. Lotte  hört ein leises wimmern. Sie sieht in der Finsternis wo es herkommt, steht aber neugierig auf und tastet sich dem Geräusch entlang. An einem großen Felsen geht das Geräusch  nicht weiter. Lotte ruf: ,,Hallo? Ist da jemand?”, das wimmern wird lauter: ,,Hier! Hilfe! ich bin eingeklemmt!” Lotte sucht konzentriert mit ihrem Rüssel eine Kante an dem Stein. Tatsächlich wird sie findig und zieht mit ganzer Kraft an dem großen Stein. Erst wackelt er leicht, doch Lotte zieht und zieht bis sie ihn wegrollen kann. Neugierig blickt sie in die dunkle Höhle. Der kleine Löwe von vorhin kommt langsam aus der Höhle und weint vor Erleichterung! ,,Danke! Wie hast du mich gefunden? Ich bin so froh, dass du mich befreit hast! Schon stundenlang sitze ich hier und wünschte mir so stark zu sein wie du, um mich selbst zu befreien! Tut mir leid, dass wir vorhin so gemein zu dir waren!” Lotte ist ziemlich stolz darauf, dem kleinen Löwen aus der Falle geholfen zu haben. Plötzlich erinnert sie sich an Mamas Worte, dass es um mehr geht als flink zu sein. Selbstbewusst macht sie sich zurück in ihr Nachtlager und schleicht lautlos neben ihre  schlafende Mutter. Lotte kuschelt sich ganz eng an ihre Mama und schläft zufrieden ein.

Hast auch du dich schon mal als weniger wertvoll wahrgenommen, da dir dein Umfeld suggeriert hat nicht dazuzugehören, nur weil du anders bist? Gerade (Schul-)Kinder können hier sehr gemein sein. Doch während Kinder Abwertungen offen und weniger systematisch und bösartig äußern, sind Erwachsene mit ihrem subtil verdeckten Abwerten noch viel erschreckender. Ich wünsche mir für alle, die anders sind, dass sie ihre Besonderheit als positiv erleben und selbstbewusst zu sich selbst stehen. Dazu können wir alle beitragen, indem wir als Vorbild (beiläufige) Bewertungen unterlassen und stattdessen bei aufkommenden grundlos abwertenden Gedanken uns vielmehr hinterfragen,  weshalb wir hier dieses Bedürfnis verspüren oder ob wir einfach über die eigenen Defizite hinweg täuschen wollen.

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