Yoga bei Reizdarm, Teil 3

In den vorausgehenden Teilen Teil 1 wurde das RDS erklärt und die Diagnostik beschrieben, in Teil 2 dann die Behandlungsmöglichkeiten in der konventionellen Medizin und alternative Therapien.

Teil 3 widmet sich nun der Frage ob und inwieweit Yoga bei einem Leben mit Reizdarm helfen kann.

Yoga stammt aus den östlichen Ländern der Welt und hat dort eine sehr lange Tradition und Verbreitung. In den letzten Jahren ist Yoga auch mehr in westliche Regionen gerückt und vielerorts als ,,Wunderwaffe” gehyped worden. So soll Yoga bereits in niedrigen regelmäßigen Intervallen gegen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verspannungen im Schulter-Nackenbereich, zu mehr Energie, geistigen Klarheit, einem besseren Immunsystem und tiefer Entspannung führen. Das ganzheitliche Übungssystem ist dabei nicht nur ein Sport wie Gymnastik zur Dehnung und Stärkung des Muskelapparates, sondern liefert mit verschiedenen Richtungen, Ernährungsempfehlungen und Übungen je nach Beschwerden ein ganzes Lebenskonzept. Die hohe Verbreitung auch bei uns in Europa lässt sich an vielerorts niedergelassenen Yogastudios erkennen, unzähligen ÜbungsDVDs oder sogar Youtube-Mitmach-Videos. Obwohl Yoga in seiner Intensität einen sehr ruhigen, entspannenden Ruf hat, zeigen doch gerade die verschiedenen Richtungen eine sehr breite Spannweite in punkto Anstrengung. Auch Fatburning Flows bringen ordentlich zum Schwitzen, indem anstrengende Haltungen die Tiefenmuskulatur strapazieren. Daneben gibt es auch wirklich entspannende und beruhigende Einheiten, die eher einer Meditation statt einem Workout gleichen. Genau diese große Reichweite ist der für mich wohl beste Vorteil von Yoga, denn jeder unabhängig von körperlichen Einschränkungen kann für sich geeignete Asanas entdecken und regelmäßig praktizieren. Dazu nötig ist erstmal keine teure Ausrüstung oder bestimmtes Setting. Gemütliche Kleidung, eine Yoga-/Gymnastikmatte oder  auch ein Teppich genügen zu Beginn. Yogaklötze, Yogakissen oder weiterer Schnickschnack ist nicht unbedingt erforderlich und auch durch Kissen, Decken oder andere Gebrauchsgegenstände zu ersetzen.

Yoga wie fange ich an? Grundsätzlich ist Yoga zwar für jede/n geeignet, dennoch wird eine ärztliche Abklärung vor Beginn oftmals geraten. Denn obwohl Yoga sich nach Eigengewicht und Körpergefühl richtet, übertreiben es Anfänger auch gerne mal indem sie über persönliche Grenzen gehen und damit auch Schaden anrichten können. Sollte der Arzt jedoch keine Einwände haben, kann sofort begonnen werden. Yogastudios bieten oftmals Schnupperstunden zum Ausprobieren an. Diese sind kostenlos und dazu da, sich selbst mal ein Bild davon zu machen, auszuprobieren ob Yoga was für einen sein könnte. Noch einfacher geht es in den eigenen vier Wänden mit DVDs, Büchern oder Youtubeanleitungen. Der Nachteil ist es bei der Eigenregie, dass ggf. keine Korrektur der Körperhaltung durch Yogalehrende besteht. Gerade bei Anfängern sind die meisten Haltungen erstmal ungewohnt, doch das regelmäßige Einüben  bringt Fortschritte und steigert das Körpergefühl ob die Haltung richtig ausgeführt wird. Die Überprüfung auf geraden Rücken und Co während der Ausführung kann durch Spiegel auch selbst kontrolliert werden. Gerade Körperreisen bei denen es mehr um die Entspannung geht und die körperliche Haltung keine besonderen Beweglichkeiten beinhaltet, sind in den heimischen Gefilden beispielsweise am Abend vor dem Schlafengehen sehr hilfreich und meiner Erfahrung nach auch bedenkenlos durchzuführen. Schlimmstenfalls schläft man dabei ein- was eine sehr große Entspannung bedeutet und damit das Ziel erreicht hat 😉

Yoga bei Verdauungsstörungen

In der Vielzahl der Yogarichtungen, wie Asanas bezwecken die Haltungen andere körperlichen Reaktionen. So sind Haltungen in denen der Bauch bereich besonders fest angespannt wird, für Menschen mit RDS oftmals nicht gerade förderlich, da dieser Bereich eh schon empfindlich ist. Stattdessen werden andere Körperstrukturen gestärkt und der Bauchbereich gelockert und entspannt. Yogalehrende in Studios können euch je nach körperlichen Einschränkungen und Beschwerden dabei helfen, individuelle gesundheitsfördernde Programme zu erstellen und einzuüben. Diese können dann auch alleine daheim oder in der Natur gemacht werden. Für Yogaerfahrene, die sich in den Asanas bereits auskennen, kommt  auch ein Yoga Übungsplan für RDS (PDF) in Frage. Sollten Haltungen unangenehm sein, lohnt es sich diese auszulassen, denn gerade im Bereich des RDS sind sehr individuelle Komponenten zu berücksichtigen. Das Wichtigste beim Yoga ist, dass man sich Wohlfühlt, man danach eine Entspannung in sich trägt und diese auch gerne am Ende der Übungssequenz noch im Liegen genießt.

Das Kennen von helfenden Asanas kann auch bei akuten Beschwerden als Selbsthilfe helfen. Da eine beruhigte Psyche, auch an den Körper Entspannung weiterleitet, kann der Darm so bei seiner ursächlichen Wurzel nachhaltig entspannt werden. Ergänzend zu Yogaeinheiten sind auch im Alltag Entspannungstechniken, Atemübungen und Achtsamkeitsübungen. Gerade wenn im Alltag ein Termin den anderen hetzt, können kleine Beruhigungssequenzen (z.B. durch Atemübungen) sehr hilfreich sein und beispielsweise auch auf der Autofahrt oder bei der Arbeit durchgeführt werden. Abends oder am Morgen kann dann die gewöhnliche Yogaroutine durchgeführt werden. Übrigens ist die tägliche Yogaeinheit von gerade mal 10 Minuten schon gewinnbringender als unregelmäßige zwei Stündige Sequenzen.

Selbsterfahrungen

Nachdem ich verschiedene Ernährungsratschläge (Diäten, FODMAP,…), pflanzliche Mittel, tägliche Spaziergänge und alles was mir irgendwo empfohlen wurde ausprobiert habe und kaum Verbesserungen bzw. nur sehr kurzfristige erfahren konnte, stieß ich durch Bekannte Yogalehrer auf die Empfehlung dies einmal auszuprobieren. Gerade anfangs war ich sehr skeptisch, sicher auch geprägt davon, bislang schon so viel ausprobiert zu haben, aber nie meine Lösung gefunden zu haben. Gestartet habe ich mit angeleiteten Youtubevideos aber zunächst ausschließlich Körperreisen und damit eine psychische Beruhigung. Gerade vor dem Einschlafen habe ich davon sehr gute Ergebnisse erzielen können und fortan auch tagsüber Entspannungsreisen eingebaut. Erste Erfahrungen im Bereich des aktiveren Yogas durch Anwendung von einzelnen Asanas und dann auch Anfängerflows stimulierten gefühlt erstmal meine Verdauung noch mehr. Lautes Grummeln während dessen war gerade am Anfang ein Problem, was mich daran zweifeln ließ, ob Yoga mir wirklich gut tun kann. Deshalb verzichtete ich auf alle Asanas die die Körpermitte im besonderen strapazierten. Stattdessen achtete ich vermehrt auf Bewegungen die mir intuitiv gut taten und machte diese auch im Alltag. Mein Ziel am Yoga dran zubleiben, ist insoweit bisher erfolgt dass ich jeden, spätestens jeden zweiten Tag mir die Zeit dafür nehme. Im Allgemeinen kann ich heute nach nunmehr fast drei Monaten deutliche Verbesserungen wahrnehmen. Mein Pus und Blutdruck sind gesunken, ich fühle mich fitter und habe weniger Symptomspitzen. Mein absolutes Highlight war, meine neuen Entspannungsfortschritte in der Prüfungsphase. Durch Prüfungsangst getrieben habe ich nunmehr seit über fünf Jahren in den Prüfungstagen und davor Bauchbeschwerden, Appetitverlust und Schwierigkeiten mit dem Ein-/Durchschlafen. Mit beruhigenden Tees, Heilerde, Bewegung an der frischen Luft und autogenes Training versuchte ich bislang die Tage leichter zu überstehen. Doch in der letzten Prüfungsphase konnte ich erstmalig Essen, Schlafen und war zwar aufgeregt(was ja auch gut, da antriebssteigernd) aber nicht völlig durch den Wind. Sogar am morgen vor den Prüfungen konnte ich Frühstücken und hatte lediglich ein kleines Bauchgrummeln. Dieser enorme Erfolg und auch mein nun seit einiger Zeit wesentlich beruhigterer Darm begründe ich mit dem regelmäßigen Yoga in Verbindung mit meiner Ernährungsumstellung. Heute habe ich immer mehr ,,gute Tage” in denen ich sogar Kaffee oder Kohlgemüse zu mir nehmen kann- ganz ohne Symptome. Wenn es dann doch mal schlechtere Tage gibt, verfüg ich mittlerer Weile über einige Skills was die Ernährung aber auch Entspannung anbelangt, die mich autonomer und handlungsfähig machen. Dieser Weg war ein langer und ich hoffe ich habe nun die Lösung für mich gefunden.

Vielleicht helfen Euch meine Erfahrungen ebenfalls. Sehr gerne schreibt auch Eure Erfahrungen zu diesem Thema auf, um anderen den vielleicht endlich Erfolgversprechenden Tipp zu geben! Ich freue mich auf Kommentare.

 

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