Yoga bei Reizdarm, Teil 2

Dieser Post ist der zweite einer Reihe. Teil 1 befasste sich mit der Erklärung was das Reizdarmsyndrom ist sowie der Diagnostik.

Teil 2 behandelt die Themen der konventionellen Therapie von Reizdarm und alternativen Behandlungen.

Ursachen des Reizdarmes liegen in der Kombination aus psychischen wie auch ernährungstypischen Komponenten. Demnach wird auch sinnvoller Weise auf zwei Ebenen bei der Behandlung angesetzt. Betroffene erhalten oftmals den Rat, des Führens eines  Ernährungstagebuchs (bei RDS), damit der Zusammenhang von gut/schlecht verträglichen Nahrungsmitteln und Beschwerden für Betroffene nachvollziehbar wird. Denn anders als bei Unverträglichkeiten im klassischen Sinne, ist das Aufkommen von Beschwerden sehr individuell von Person zu Person und gleichzeitig auch immer davon abhängig wie die psychische Komponente mitspielt. So kann ein RD-Betroffener beispielsweise Kaffee am morgen gar nicht vertragen und reagiert sofort mit Bauchkrämpfen und Durchfällen, wobei er am Sonntag morgen den selbigen ganz normal verträgt. Gerade zu Beginn kann das Ernährungstagebuch den Betroffenen auch gute Ansatzpunkte zur Selbsthilfe geben, wenn erstmal nur gut verträgliche (Haferschleim,  Karotten, Kohlrabi, Kartoffeln, Reis,..) Nahrungsmittel gegessen werden und dann nach und nach ein weiteres hinzugefügt wird. Besonders wenn die Beschwerden davor schon sehr lange und einschränkend auftraten, ist es zu empfehlen das Auszuprobieren langsam zu steigern. Auch bei Getränken empfiehlt sich anfangs der Umstieg auf stilles Wasser (Zimmertemperatur) und ungesüßte Kräutertees (Kamille, Pfefferminz, Fenchel-Anis,..) bis sich der Darm wieder etwas reguliert  hat. Um keine Mangelerscheinungen durch Verzicht von Nahrungsmitteln zu bekommen, ist das gemeinsame Erstellen eines Ernährungsplanes mit geschulten Ernährungsberater/innen möglich. Übrigens muss dies nicht selbst gezahlt werden, wenn der behandelnde Hausarzt eine Überweisung durch die Notwendigkeit ausstellt. Zur genauen Ernährung gibt es viele Bücher zur RD-Diät aber auch eigene Konzepte wie die FODMAP-Diät. Durch die individuellen Beschwerden können Betroffene immer eigene Zwischenformen für sich als wirksam und effektiv gegen Beschwerden finden, die bei anderen Betroffenen eine Verschlechterung herführen. 

Und die psychische Komponente?

Wie versprochen lässt sich auch an diesem Punkt ansetzen. Während manche Ärzte sogar leichte Antidepressiva bei RDS verordnen, sind vor allem im homöopathischen, pflanzlichen Bereich viele Hilfsmittel für akute Beschwerden, aber auch zur psychischen Stabilisierung zu finden. Natürlich bieten die namhaften Pharmako-Unternehmen hier viele Produkte mit exorbitanten Wirkversprechen -oft völlig überteuert- an, die aber nicht unbedingt helfen, oder womöglich durch Nebenwirkungen noch mehr Stress im Körper erzeugen. Deshalb lohnt sich das Ausprobieren von günstigen, pflanzlichen Alternativen  zuerst. Neben beruhigenden Tees, können auch Heilerde  (zur inneren Anwendung), Flohsamen oder Iberogast neben Hausmitteln Linderung verschaffen. Vielleicht hilft ja allein das dabeihaben eines “Notfallmedikamentes” auf psychischer Weise schon so, dass akute Beschwerden gar nicht auftreten. Das regelmäßige Einnehmen von Abführmedikamenten oder auch Darm lähmende (Loperamid) Medikamente ist aber unbedingt zu unterlassen, um die Störung nicht noch weiter anzutreiben und Gewöhnungserscheinungen  zu bekommen.

Akut stressige Situationen im positiven (Erster Arbeitstag, großes Fest,..) aber auch negativen (Zeitdruck, Angst vor Blamage,..) Bereich treten immer wieder auf. Denn Stress entsteht, wenn Situationen neu,unvorhersehbar, unkontrollierbar oder lang andauernd sind. Diese Aufkommen dieser lässt sich sicher nie ganz Vermeiden wenn man sozial aktiv ist und dadurch in Interaktionssequenzen gerät. Doch eine nachhaltige Stärkung der Psyche und damit das Vermeiden von chronischem Stress, da der eigenen Körper nicht  mehr selbstständig entspannen und damit loslassen kann, schützt im Gesamten. In der leistungsbezogenen Arbeitswelt wird das effiziente Funktionieren immer mehr verlangt, doch gerade privat muss ein Mensch sich den Freiraum schaffen, diese Perfektionismusbestrebungen und damit verbundene Ängste vor dem Scheitern zurückzuschrauben. Stattdessen sich selbst annehmen, auch Schwäche zulassen, im Sinne der Ganzheitlichkeit sich Ruhepausen gönnen, eigene Bedürfnisse erkennen und demnach diese zu Erfüllen.

Was einfach klingt, ist es in der Praxis nicht unbedingt. Denn jahrelanges Funktionieren lässt das Körperempfinden, hinein horchen was gebraucht wird, intuitives Verlangen und Achtsamkeit mehr und mehr schwinden. Diese Fähigkeiten müssen dann erst wieder erlernt und damit nutzbar gemacht werden. Ganz konkret kann das Auseinandersetzen mit sich selbst bei Körperreisen (Wo sind meine Grenzen, wie fühle ich mich an?) oder auch Meditation (Wie geht es meiner Seele, was beschäftigt mich, wie lass ich los?)geschehen. Aber auch Sport (Krafttraining) oder die ganzheitliche Kräftigung des Körpers (z.B. beim Klettern oder Yoga) helfen dabei das Körperempfinden  zu verbessern, den Kopf auch mal ,,auszuschalten”  und das Selbstwertgefühl zu stärken und damit hilfreich zur Behandlung von RDS.

Je nach dem wie sehr Betroffene sich auch isolieren und durch ihre Symptome soziale Ängste entwickeln, kann auch eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Denn bei auftretenden Beschwerden durch beispielsweise Aufregung (Prüfungsangst,Vortrag,..) ist es oftmals verlockend diese Situationen zu Vermeiden. Mit dem Vermeiden bessern sich die Symptome meist sehr schnell, da der damit verbundene Stress wieder abgebaut wird. Doch die Angst bei wiederholender Anforderung ist durch  Vermeidungsverhalten noch höher, löst erneut Beschwerden aus und stellt eine Art Teufelskreislauf dar. In der Verhaltenstherapie wird mit dem Therapeut das Vermeidungsverhalten oder auch die  Auslöserarten erörtert und Handlungsalternativen erarbeitet.

Ganz wichtig um nicht durch zu viel Schonung (gerade bei Stressmachenden Situationen) noch empfindlicher zu reagieren ist es, gleichzeitig sich auch zu stärken. Die Stärkung kann auf körperliche (nicht bei Diät bleiben, bei “guten Tagen” auch weiterhin vielseitige Ernährung, körperliche Stärkung, Wechselduschen,…) und psychische Weise (sich unangenehmen Situationen stellen, Stress nicht gänzlich vermeiden, sich mit Auslösern auseinandersetzen) geschehen.

Die schlechte Nachricht ist, das RDS kann man bislang nicht heilen- vor allem nicht auf einheitliche Art und Weise, die bei allen gleich gut wirkt. Aber mit dem Daran-bleiben und Angehen, im besonderen aber dem sich selbst annehmen können sich die Beschwerden und damit verbundene Einschränkungen deutlichst mildern! Es fängt schon damit an, das RDS nicht als ,,bestimmende einschränkende Krankheit” zu betrachten, sondern vielmehr als Signal, das Körper und Seele etwas mehr Ruhe und Fürsorge brauchen.

Weiter geht es in Teil 3 mit Yoga bei Reizdarm und meinen Erfahrungen

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One thought on “Yoga bei Reizdarm, Teil 2

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