Ja Nein Vielleicht?

Entscheidungen gibt es täglich viel zu viele für mich. Dabei geht es nicht unbedingt um wirklich wichtige Entscheidungen, die wenn dann nur hier und jetzt entschieden werden können, nein es sind auch alltägliche Dinge die Tag für Tag auf dem Entscheidungstisch stehen. Denn dieser Artikel meint nicht die Entscheidungen im politischen Rahmen welche im Extremfall über Tod und Leben entscheiden.

Alltägliche Entscheidungen zeugen von Freiheit. Denn eine Person mit stark hierarchisch Übergeordneten verfügt über kaum Entscheidungsspielräume. Ein Sklave beispielsweise musste sich nach den gestellten Aufgaben und Mitteln richten, Diskussionen über Reihenfolge der zu erledigen Aufgaben oder gar Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen standen ihm nicht zu. Er hatte sich zu richten, nach dem was ihm aufgetragen wurde. Ähnlich steht es um die Jüngsten der Gesellschaft. Kindern im Kleinkindalter werden nach und nach mehr Wahlmöglichkeiten in der Erziehung (idealer weise) gegeben. Doch in  Situationen in denen Gefahr droht, wie beim Überqueren einer Straße, sind es nach wie vor die Erziehungsberechtigen, die die Entscheidung über Beurteilung der Situation und entsprechender Reaktion treffen (sollten!). Mit zunehmendem Erwachsenwerden nehmen die zu treffenden Entscheidungen zu, die Erziehungsberechtigen fallen als sicherheitsgebende Entscheider weg und stattdessen treten nur bei Menschen die den Bedarf haben gesetzlich Betreuende oder ähnliche Unterstützer ein.

Wir, als freiheitliebende moderne Gesellschaft müssten doch die Entscheidungen, routiniert durch die mehrmals tägliche- wenn nicht gar stündliche- Übung und Erfordernis, eher nebensächlich und als weniger relevant betrachten. Manchmal mag das auch gelingen, wie im Alltag bei Entscheidungen ob zuerst gefrühstückt wird oder man sich im Bad fertig macht. Diese täglichen Auseinandersetzungen mit Wahlmöglichkeiten etablieren sich nicht selten durch die eigene Sozialisation, dem Erfahrungshorizont und werden demnach einmal entschieden und können über eine längere Zeit beibehalten werden. Doch es gibt Entscheidungen die täglich zu treffen sind und dennoch Druck und Stress erzeugen können. Die Frage was man sich heute zum Essen zubereitet oder welche Kleidung man trägt, hat eigentlich sachlich gesehen eine sehr geringe Priorität. Schlimmstenfalls isst man etwas was nicht gut schmeckt/ ungesund ist oder Beschwerden verursacht. Schlimmstenfalls steckt man den Tag über in Klamotten, in denen man sich nicht wohlfühlt, man zu warm oder zu leicht angezogen ist oder keine Komplimente für sein schönes Aussehen bekommt. Beide Ausgangssituationen zeigen: einerseits gibt es auch negative Folgen bei ,,falscher Entscheidung”, doch die sind weder fatal, noch bestechen sie durch große Auswirkungen. Als Konsequenz kann man am nächsten Tag die Entscheidung schon wieder anders treffen.

Dennoch stressen mich Entscheidungen manchmal sehr und ich denke damit nicht allein zu sein. Nicht umsonst wird das Sprichwort der “Qual der Wahl” im deutschen Wortgebrauch so oft genutzt. Als Ursache des Entscheidungsdrucks im Alltag sehe ich den gesellschaftlichen Zwang zur Perfektion, der Verteufelung von ,,Fehlern” und damit einer künstlich erschaffenen Angst davor, eine Fehlentscheidung zu treffen. Obwohl man ja bekanntlich aus Fehlern lernt, und damit bei der Entwicklung und Verbesserung unserer Entscheidungsfähigkeit helfen (können), gibt es diesen paradoxen Begriff.

Hintergründig dem, will ich mich nicht unter Druck setzen lassen, aus der gesellschaftlichen Norm Entscheidungen zu bewerten getrieben werden. Ich möchte mich nicht unter Druck gesetzt fühlen mittels Pro/Kontra-Listen Fehlentscheidungen verhindern zu wollen, wo doch Fehler die Chance sind unseren Horizont zu erweitern. Ich wünsche mir mehr Mut zum Fehler machen und damit auch dem Entscheidungsmonster die Kraft zu nehmen. Stattdessen will ich Entscheidungen genießen, als Zeichen unserer Freiheiten anerkennen und schützen.

Ich wünsche mir, dass Menschen Entscheidungen auch aus dem Bauch heraus treffen können und nicht durch völlige Versachlichung ihre Intuition klein halten und letztlich verkümmern lassen.

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