Flohmarkt

Was nützt mir ein besonderes Kleidungsstück, wenn die Herkunft dank der Produktionskosten aus Fabriken mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen stammt und die Arbeiter*innen letztlich lächerliche Lohnkosten bekommen im Vergleich zu dem Endpreis der Markenmode? Will ich Komplimente dafür erhalten, wohlwissend dass ich die Ausbeutung der Menschen in ärmeren Regionen unterstütze in dem ich die Nachfrage danach anstelle und damit zu verantworten habe? Kann ich den Stoff auf meiner Haut genießen, wenn ich daran erinnert werde wie der Weg davon unnötige viele Flugzeugstrecken entlang der billigsten Produktionsorte zurücklegen musste und dabei mitverantwortlich ist wie die Pole schmelzen, Naturkatastrophen entstehen und besonders arme Gebiete unter den Folgen wie Dürre und Überschwemmung leiden? Wie kann ich meinem Baby einen Strampler anziehen, in dessen Produktion nicht nur giftige Farbstoffe die Umwelt belasten, sondern andere Kinder an der Produktion beteiligt sind?

Doch was hilft das Schwingen der Moralkeule ohne direkte Handlungsänderung… Wichtig ist nur im ersten Schritt das Erkennen der unsrigen Verantwortung an dem Schicksal der Kleidungsproduktion und deren Mitgliedern. Was schließlich entscheidet ist unser weiteres Handeln unter der Kenntnis über die Folgenträchtigkeit.

Was kann ich stattdessen tun? Faire Kleidung mit einem nach verfolgbaren und ethisch vertretbaren Produktionsweg stellt nach wie vor nur ein sehr kleiner Teil der angebotenen Ware dar. Die Preise sind dementsprechend hoch und Geringverdiener haben nicht die Wahl, ob sie die Kleidung mit dem fairen Hintergrund bezahlen können. Sie werden durch ihre finanzielle Stellung von dieser Möglichkeit ausgeschlossen. Dennoch geht uns dieses Thema alle an. Doch was kann auch der schmale Geldbeutel dafür leisten, durch getragener Kleidung kein schlechtes Gewissen haben zu müssen ? Zunächst einmal hinterfrage ich die Menge der Kleidung. Ob in Werbungen, Medien (Shoppingqueen) oder bestehenden Klischees: Kleidung dient für viele Menschen als Prestigeobjekt. Während insbesondere den Frauen ein Hang zum Schuhtick zugeordnet wird, gibt es auch immer mehr Männer deren Kleiderschrank oder gar Ankleidezimmer weit mehr beherbergt, als tatsächlich benötigt wird. Wer kennt das nicht, der Kleiderschrank ist voll und dennoch werden die liebsten Teile angezogen, gewaschen zusammengelegt und vorne gut sichtbar wieder eingeräumt. Deshalb miste ich meinen Kleiderschrank regelmäßig aus und schau was ich tatsächlich habe bzw. wirklich brauche. Immer wieder bemerkte ich dabei Kleidungsstücke über deren Gegenwart ich richtig überrascht bin und sehe dies als ultimativen Beweis, darüber dass ich zu viele Klamotten besitze.

Demnach benötige ich schon mal gar nicht mehr so viele neue Sachen und kann damit der Ausbeutungsfalle entgehen. Außerdem nutze ich die Kleidung, die ich nicht mehr benötige dazu,  mit Freundinnen oder Schwestern gegen andere Kleidung ein zu tauschen. Durch diese Art des Recylings kann ohne (hohe) Ausgaben der Wert der Kleidung lange erhalten werden. Die negativen Produktionskosten in Form von Umweltbelastung aber auch Ausbeutung sind dennoch erfolgt, aber im Gegensatz zur Schnelllebigkeit der Wegwerfgesellschaft wird das Kleidungsstück somit maximal genutzt. Wirklich wegwerfen muss man es schließlich erst, wenn es kaputt ist. Der Trend von Second Hand und Flohmärkten ist immer mehr im Kommen. Gerade das Internet ermöglicht über den persönlichen Freundeskreis hinaus ein Handel von gebrauchter Kleidung. Ich finde diese Entwicklung sehr begrüßenswert, und dennoch wird es notwendig sozialpolitische Veränderungen international zu treffen, damit Outsourcing ethisch vertretbar wird und weniger Ungleichheiten zwischen Herstellenden und Verbrauchenden zu schaffen.

 

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