Schrunden und Tape

Es ist endlich wieder warm genug mit gepacktem Rucksack ab in die Natur abzuhauen. Schmale Trampelpfade mitten im schönen Wald führen hinauf an den Ort, an dem Schweiß, Magnesia, Steine und vorallem Erfolgserlebnisse in Massen fliegen.Der bebilderte Führer in der Hand sagt noch nicht klar, wo unser heutiges Abenteuer stattfindet, was nicht zuletzt daran liegt, dass aus Trampelpfadperspektive weder andere begeisterte Kletterer noch die versteckten Felsen gesichtet werden können. Der beschwerliche steile und vorallem mit rutschenden Laubblättern bedeckte Laufsteg zwischen Geröll und Wurzeln kann in Vorfreude gefühlt sehr schnell überwunden werden und plötzlich aus dem Nichts ist die erste Wand zu erkennen.

Wie ein Unikat der Natur, hat auch dieser Fels eine ganz eigensinnige Art in Struktur, Form, Farbe, Höhe, vereinzelt wachsende Steinpflanzen, Aussparungen und helle Flecken, die von den Vorbesteigenden zeugen.

Obwohl es noch früh am Morgen ist, die Sonne oben am Himmel steht und der Abend noch in weiter Ferne liegt, legt sich eine freudige Erwartung über uns und das Equipment ist ratzfatz ausgepackt und angezogen. Der Klettergurt klimpert vom aneinander stoßenden Metall, der Partnercheck ob Sicherungsgerät und Achterknoten ordnungsgemäß angebracht sind kontrolliert nochmal – und die Reise kann losgehen.

Die ersten Meter gehen sehr flink und einfach, ich kann nicht glauben, dass die Route als eine fünf ausgeschrieben ist. Doch nach der ersten Sanduhr fehlt weit und breit der nächste Haken. Wie weit wage ich das Klettern ohne zweite Sicherungsstelle? Ich betaste den Fels in der Neugier, wo er bereit ist einen Kletterer zu tragen und werde fündig. Mit Erleichterung und auch etwas Stolz lege ich eine weiterer Sanduhr und erhalte von meinem Sicherungspartner Lob. Die nächsten Meter kosten Kraft, beweisen mir aber auch die bisherigen Fortschritte meiner bislang noch Recht kurzen Kletterkarriere. Ganz oben muss ich mich durch eine Schuppe an den letzten Punkt hinschieben. Meine Finger sind ganz schwitzig, meine Füße stehen auf einem kleinen Absatz. Ich überlege einen kurzen Moment ob ich aufgeben soll, die Angst was ist, falls ich einhändig die Toprope nicht einrichten kann und dann das letzte Stück womöglich ungesichert wieder runter müsste ist zwar da, aber mein Adrenalin vollgepumpter Körper handelt ruhig und gewissenhaft. Rechte Hand heben, Exe in die Schlaufe, gegenläufig die zweite und das Seil hochziehen. Meine Kraft lässt nach, ich halte das Seil zwischen den Zähnen um die letzen Zentimeter hochzuziehen, klipps es ein und fordere Zug. Endlich kann ich mich in den Gurt setzen, mich umschauen die Kulisse auf mich wirken lassen, mein schlagendes Herz und die prallen, spannenden Unterarme lockern. So weit oben über der Baumkrone fühle ich mich einfach nur frei, bin überwältigt und stolz, freue mich fast schon auf den folgenden Muskelkater, die langsam wachsende Hornhaut an meinem zarten Fingern und darauf, noch viele andere einzigartige Felsen so zu erfahren. Beim hoch als fordernder Gegner und oben drohnend, als sicherer Fels, der mein Gewicht stützt, mit seiner Beschaffenheit mich überhaupt hinauf gelassen zu haben.

Das Abseilen macht wie immer Spaß, geht ganz schnell und ähnlich wie beim Achterbahnfahren passt das Verhältnis zum Anstehen- Hochklettern- nicht.IMG-20170312-WA0056.jpg

Wie klettern noch ein paar andere Routen und die Zeit vergeht im Flug. Auf dem Rückweg bin ich sehr müde und doch noch voller Freude, dass das Wetter nun wieder öfter einen solch schönen Tag zulässt.

Ade Hallentraining, muffige Boulderecke, überfüllte Wände, die farbig  die Route definieren und wie Schmirgelpapier ein Stückchen Haut fordern. Hallo Freiheit in der grenzenlosen Natur!

 

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