Wie die Magie des Wochenendes verpuffte

Es ist Montag, der Tag an dem das Aufstehen besonders schwer fällt und auch um elf Uhr der Tag noch unendlich scheint. Die Motivation nun am Anfang einer Arbeitswoche zu stehen hält sich (noch) in Grenzen. Bei der Kaffeepause mit den Kollegen und Kolleginnen kommt Hoffnung auf : Nur noch viermal schlafen dann ist Wochenende. Doch auf was genau fiebern wir hin? Warum ist das Wochenende das Sahnehäubchen der Woche und das viermal im Monat? Gut, der eine mag das Ausschlafen. Gewohnheitstiere wie ich wiederum wachen auch ohne Wecker allerspätestens um acht Uhr auf und können den Tag gar nicht schnell genug beginnen. Ist es das lange Wachbleiben und auf Tanzflächen bis in den frühen Morgen das Tanzbein zu schwingen? Nicht für Lerchen, die spätestens um zehn genüsslich und dann immer öfter und drängender Gähnen müssen, wenn sie nicht gerade ein Mittagsschlaf von ca. fünf Stunden hinter sich haben. Oder ist es das Nichts tun müssen? Aktive Menschen wie ich, sind auch am Wochenende nicht gerade in Jogginghose in Reichweite der eigenen Sofawohnlandschaft anzutreffen. Ganz im Gegenteil, es lassen sich immer genug super dringende Tätigkeiten und To-Do Listen auch im privaten Umfeld (er-)finden. Ob der Kleiderschrank jedoch alle 3 Monate ausgemistet werden muss, was vielmehr das Reduzieren um ein Unterhemd bedeutet, das Auto alle drei Wochen gewaschen werden, obwohl am Tag darauf wieder Katzenpfötchen quer über das Dach zu sehen sind, oder gar am Wochenende besonders viel Sport gemacht werden muss, dafür dass Sonntagabend eine Tüte Chips zum Tatort gefuttert werden kann, ist natürlich Anschauungssache. Das Wochenende wird dennoch erwartet voller Sehnsucht und ist am Montag sowie Freitag Gesprächsthema Nummer eins im Kreis der Arbeitskollegen.

Schon als Kind wurde mir das Wochenende als Gegenstand der Planung sämtlicher Familienmitglieder vermittelt. Diskussionen ob das wertvolle Wochenende mit Schwimmbad, Wandern, Zoo, Verwandtschaft, Einladungen, Museen, Gartenarbeiten oder ähnlichem verbracht werden kann, zogen sich bis zum Samstag Morgen durch, als gäbe es nur dieses eine Wochenende und dannach nie wieder eins. Als Kind genoss ich die vermehrte Freizeit mit meinen Eltern, die werktags beide berufstätig waren sehr. Auch das Programm war mir weniger wichtig, Hauptsache wir hatten gemeinsam eine schöne Zeit miteinander. Von Freitag bis Sonntag galten jedoch auch andere Regeln. Statt fester Zubettgehzeiten, konnte der Restaurantbesuch auch mal darüber hinaus gehen. Feste mit befreundeten Familien endeten indem wir Kinder irgendwann auf dem Sofa einschliefen und das morgendliche Frühstück mit frischen Brötchen und dem Belag, der dem Herzenswunsch entsprach konnte sich schon einmal über zwei Stunden langziehen.

Doch seit ich ausgezogen bin, selbst Herr und Walter meiner  Freizeit bin hat das Wochenende für mich an magischer Kraft verloren. Zum Einen liefert meine Work-life Balance schon werktags Highlights kultureller, sozialer oder kulinarischer Art. Darüber hinaus versuche ich aktiv jeden Tag zu genießen, rauszuholen was geht und mir schöne Momente bewusst zu schaffen, sei es der Cappuccino am Mittag mit aufgeschäumter Milch. Andererseits sind auch die Wochenenden nicht so viel abwechslungsreicher und gigantischer im Vergleich zu den Werktagen. Manchmal fühlt es sich sogar komisch an, die Arbeitspause durch das Wochenende auferlegt zu bekommen, sodass ich mich auf den Montag freue. Manchmal nervt es mich am Sonntagmorgen ohne Wecker um sieben aufzuwachen und leise sein zu müssen auf Rücksicht der noch Schlafenden. Den Tag mit lesen beginnen zu müssen, da es draußen in Kübeln schüttet und ein Spaziergang ungemütlich werden würde. Niemand anrufen zu können, da ja ganz Deutschland ausschlafen möchte. Manchmal passt das Wochenende nicht zu meinem individuellen Rhythmus und ich frage mich, ob eine flexiblere Lösung dennoch die sozialen Momente aller Arbeitstätigen erhalten könnte. Was genau mir das Wochenende eigentlich bringt?

Doch manchmal, sei es an einem Osterwochenende oder einfach so, bekommt das Wochenende wieder einen magischen Charakter. Es sind die Tage an denen, ein Fest mit der Nahen Familie gefeiert wird und meine Geschwister sowie meine Eltern wieder gemeinsam unter einem Dach nächtigen. Die Nächte in denen das Licht schon lange aus ist und obwohl ich hundemüde bin, der flüsternde Austausch mit meiner neben mir schlafenden Schwester über Gott und die Welt, so wie früher im Kinderzimmer bis zum allerletzten “Gute Nacht” geht. Es sind die Morgen in denen meine Eltern, die noch früher selbst aufwachen schon das große Frühstück aufgetischt haben, der Kaffeeduft den Raum erfüllt und niemand geweckt wird, sondern nach und nach mit der inneren Uhr zum Frühstück -im Schlafanzug oder bereits geduscht in Alltagskleidung-  erscheint. Wenn man sich plötzlich doch so nah ist, obwohl das letzte Treffen in dieser Runde mehrere Monate her ist, die Rollen wieder so sind wie noch vor 10 Jahren und doch irgendwie schöner. Es sind Wochenende die für mich als Kind selbstverständlich waren und nun heute als erwachsene Frau ein kostbares Relikt meiner Kindheit darstellen. Die obwohl wir uns alle verändert haben doch zeigen, dass wir die Zeit als Familie miteinander geschätzt haben. Es sind Wochenenden an denen ich mehr denn je weiß, die Magie des Wochenendes, egal auf welche Art ebenfalls an meine eigenen Kinder mal vermitteln möchte.

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