Sorry, ich faste Arschlöcher.

Fasten. Jahr für Jahr treffe ich doch auf erstaunlich viele Menschen, die zwischen Fasching und Ostern plötzlich anders sind als sonst.

BierliebhaberInnen die bekannt für grenzenloses Feiern in jeder möglichen Lebenslage bekannt sind, sind plötzlich auf keiner Party mehr zu treffen und trinken zum Grillen alkoholfreies Bier. ,,Echte Kerle” die Wurst mit Brot (Anteil 2:1) als Grundnahrungsmittel und Gemüse als unnötiges Frauenzeugs ansehen, knabbern in der Pause an einer Karotte und schlagen den angebotenen Landjäger aus. Süßigkeitenjunkies, die bestens darüber informiert sind, in welchem Gebäudekomplex der nächste Weg zu Snickers, Bounty oder M&M ist, suchen gezielt die Distanz sofern die Gummibärchentüte durch die Reihe geht. Und alle fragen sich, was ist denn mit denen los? Mit der Zeit platzt es aus den Geplagten und plötzlich sonderbar anders Verhaltenden heraus: Mensch, ich faste doch!

Doch warum verzichte ich verbissen ein paar Wochen auf die Dinge die meinem Alltag die Würze verleihen? Ist ja nicht so, dass die FasterInnen ganzheitlich mit beispielsweise Heilfasten inklusive Einlauf einen Reinigungsprozess praktizieren, oder aus religiösen Gründen den Regeln ihrer Glaubensrichtung folgen. Nein, wie konnte ich so naiv sein, die Begründung ist ganz einfach: Das macht man halt so!

Hintergründig dem, dass wir als privilegierte Gesellschaft nicht Hungern müssen sonders freiwillig Genuss (Nahrungs)Mittel weglassen, um sie an allen 325 Tagen des restlichen Jahres im Überdruss zu konsumieren, verstehe ich das Mainstreamfasten nicht. Entweder ich bin ein Lebenmann/eine Lebefrau die verschwenderisch und triebgelenkt ihr Glück auskostet, trinkend, süßigkeitkonsumierend und fleischessend. Wohlwissend, dass ich damit weder den hungernden Kindern, Obdachtlosen noch zur Prostitution gezwungenen Frauen in armen Ländern helfen kann. Dass aus Solidarität, ein bisschen weniger Genießen meiner Lebensmöglichkeiten, noch keinem Menschen geholfen hat. Oder aber ich hinterfrage die konsumierende Wegwerfgesellschaft, die in Saus und Braus auf Kosten der Ausgebeuteten für einen Spottpreis Kleidung und Nahrung bezieht und sich ins Fäustchen lacht über weitere fünf gesparten Euros. Man könnte sich die Frage stellen inwiefern ich bei dieser Ungerechten Verteilung mitmischen und sie aktiv fördern möchte, den größtmöglichen Nutzen für mich selbst raus schlagen möchte. Fühle ich mich als BürgerIn einer privilegierten Gesellschaft vielleicht sogar verpflichtet, aufgrund meiner Möglichkeiten nicht zu nutzen was geht sondern stattdessen abzuwägen, die Ressourcen und Mitmenschen zu schonen auch wenn ich nicht dazu gezwungen werde? Indem und Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten, Gemüse, Medien und noch viel mehr für einen geringen Wert täglich zugänglich gemacht werden, sind wir nicht gezwungen wie einst in der Steinzeit uns bei Verfügbarkeit zu Übersättigen. Wir sind dazu zu befähigt, selbst zu entscheiden wie viel und wovon wir benötigen, können dies erwerben und verbrauchen. Nicht nur an 40 Tagen im Jahr sondern an 356. Denn spätestens am Montag (oder dem nächst folgenden Werktag) öffnen die Supermarktketten, Einzelhandelsgeschäfte und Märkte wieder mit aufgefüllten Regalen.

Und doch hat die Fastenzeit was Gutes… Wenn man blöd von der Seite angemacht wird, kann man sich locker umdrehen und entgegen: “Nee du, gerade nicht, ich faste Arschlöcher!”.

An alle FasterInnen: Bald habt ihr es geschafft, Jesus steht auf und zur Feier gibt es ein dickes Mahl!

 

 

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