In den Fängen der Normen und Werte

Im Vergleich zu Früher, bekommen wir jungen Menschen immer wieder zu hören, wie viel freier und toleranter die Welt heute doch sei. Bestes Beispiel die Emanzipation der Frau, welche Jahrzente lang mit mutigen Frauen wie Olympe de Gouges  oder später dann Alice Schwarzer sich entwickeln und mehr in die Gesellschaft übergehen konnte. Mit Gleichstellungsgesetzen, Frauenquote, Gendergerechte Sprache oder zunehmend weiblichen Abiturientinnen ist das geschafft was noch vor 100 Jahren undenkbar gewesen wäre. Doch obwohl wir den Prozess der Gleichstellung historisch noch so nah haben, scheinen immer mehr junge Frauen diese absolute  Freiheit gar nicht  mehr zu schätzen. Ganz im Gegenteil ist vielleicht weniger der Wunsch nach Karriere, Kinderlosigkeit, losen Partnerschaften, unrasierten Beinen und Kurzhaarfrisuren präsent. Vielleicht ist das Bedürfnis nach Familie, klaren Rollenbildern, Kinderwunsch und Teilzeitarbeit höher? Wo die geschiedenen Mitte fünfzig Jährigen unabhängigen Single Frauen die Hände über den Kopf zerschlagen, dass junge Frauen das in gewisser Maßen einschränkende Korsett der monogamen Beziehung nicht nur akzeptieren sondern aktiv wollen- oder Väter ihren heranwachsenden Söhnen Kondome mit auf die Party geben wollen und entsetzt angeschaut werden,  mit der Begründung, dass sie das erste Mal ganz besonders erleben wollen, wird mir wieder mal bewusst wie viel spießiger wir doch geworden sind.

Die Gesellschaft in der es nicht mehr für Unruhen sorgt, wenn ein Teenager schwanger wird, ohne den Kindsvater zu einhundert Prozent benennen zu können, auf Facebook die eigenen Eltern Partybilder liken oder Eltern ihre Kinder laissez-faire erziehen, bringt eine Jugend hervor die spießiger und verantwortungsbewusster durch das Leben schreitet als jemals zuvor. Doch ist nicht auch genau das Freiheit? Dass auch wenn alle erwarten, dass die “böse böse Jugend von heute” nicht rebelliert und der Erwachsenenwelt den blanken Hintern zeigt, sondern vielmehr sich eigene Werte und Ideale verschafft die klassische Orientierung beinhalten?

Die Frage nach den Normen und Werten geht ganz klar mit der Zeit. Doch irgendwann kommt der Punkt an dem sich die neuen Generationen nicht neu erfinden kann und ähnlich wie in der Mode auf Wiederholung von bereits erfolgtem setzt und dabei imitiert. Spannend finde ich gerade bei Modeketten wie schnell die persönlichen Vorlieben gemäß dem universellen Subjektivismus wirken. Oder einfach gesagt: Wie H&M und Co. es schaffen, dass plötzlich tausende Mädels in bauchfreien Rollkragenteilchen und Highwaist Hosen rumlaufen. Das die Werte der Mode sehr  viel Wandelhafter und Flexibler als moralische Werte sind, bleibt zu hoffen. Andererseits ist das Massenphänomen Mainstream leider auch bei (politischen) Grundsatzhaltungen mit aktueller Präsents verbreitet. Besonders schade finde ich hier, die Menschen die durch ihren Zugehörigkeitswunsch und mangelnden objektiven Informationen, Phrasen aufschnappen und weitertragen, ohne der tatsächlichen Beschäftigung damit.

Werte und Normen sind alles und gleichzeitig nichts. Je nachdem wie stark ich in der Gesellschaft mit dem Strom schwimmen möchte  oder gar  besonders gefallen, muss  ich natürlich die Meinung der Mehrheit in den wichtigen Lebensbereichen teilen oder zumindestens nachplappern. Ist mir diese Zugehörigkeit jedoch weniger wichtig, ist es möglich durch die Hinterfragung von etablierten Werten wie der Religionszugehörigkeit oder die Festlegung auf ein Geschlecht, neue Türen in der Welt des Pluralismus zu öffnen. Und vielleicht finde ich noch mehr Menschen die den Zeitgeist antreiben. Vielleicht wird der Wunsch und das Engagement beim Eintreten für mehr Gerechtigkeit und eine Verbesserung der Zustände für ausgeschlossene Menschen von der Mehrheit erhört und Missstände bessern sich. Doch der Versuch muss erst mal gemacht werden und alles beginnt mit dem kritischen Infragestellen von Dingen die “einfach so sind”.

Gibt es gesellschaftliche Normen/ Werte die euch besonders wichtig sind? Denkt ihr die Jugendgeneration muss provozieren um als solche von der Gesellschaft wahrgenommen zu werden? Ich bin gespannt wie ihr zu dem Thema steht und freue mich über eure Meinung 🙂

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