Macht der Gewohnheit

Kaffee und Kippe,

Umarmung zum Hallo sagen: Rechter Arm etwas oberhalb dem linken,

Einschlafen auf der linken Seite gedreht in Embryonalstellung,

Kaffee mit einem Schuss Milch- bloß nicht zu viel aber ohne Milch ungenießbar,

Schnitzel mit Ketchup und Mayo,

Eis in der Waffel und beim Schlecken möglichst lange und gleichmäßig am Rande im Kreis vorarbeiten,

Der Gutemorgen-, Tschüss- und Hallokuss beim Liebsten, auch wenn die Stimmung im Moment nicht gerade die prickelnste ist,

In den Urlaub grundsätzlich mehr mitnehmen als man braucht und dennoch alles waschen wenn man wieder daheim ist,

Das ich dich auch am Ende des Telefonates.

Es gibt Dinge die schleichen sich ein, manche mehr oder weniger bewusst. Verhalten oder auch Denkweisen die sich selbstverständlich und normal anfühlen. Erst wenn man jemand begegnet, der das anders macht, fällt es einem vielleicht auf, wie man fast schon zwanghaft auf gewisse Reize reagiert. Man Handelt ohne zu denken, obwohl man fest davon überzeugt ist, nicht gerade eine abwesender roboterhafter und vor allem vorhersehbar agierender Mensch zu sein. Momente die uns genau das wiederlegen tauchen auf und bringen uns zum Nachdenken und vielleicht auch zum Schmunzeln. So ist der heutige Bäckerbesuch anders abgelaufen als sonst:

Hallo was darfs sein?

-Vier Körnerbrötchen und ein Baguette bitte

Darfs sonst noch was sein?

-Nein danke, ist alles.

Fünfeurodreiundzwanzig

-Fünfdreizig. Dankeschön

Danke

-Einen schönen Tag noch

Ihnen auch

-Ebenfalls.

In dem Moment hab ich die Dopplung gar nicht wahr genommen, der neue Kunde wurde schon bedient und während ich zum Parkplatz lief musste ich feststellen, dass ich wohl nicht ganz bei der Sache war.

 

Ausnahmefälle

Manchmal da braucht es überraschend wenig. Manchmal fällt es richtig leicht, mir zu erlauben zu sein, wer ich bin. Zu Akzeptieren, dass mein Schweinehund Schokolade der gesunden Ernährung vorzieht, das Rumlümmeln viel lieber mag als täglich die 10.000 Schritte, die ich mir bei Anschaffung des Fitnessarmbandes (Teufelsteil) täglich vorgenommen habe. Continue reading

Meine innere Welt – Bühnenreif

Dies ist der fünfte Beitrag der Reihe Meine innere Welt, nähere Infos hierzu gibt es Hier.

Den vorherigen Beitrag zum Thema Fluchtinstinkt gibt es hier.

Meine Farbe: Bunt und schillernd, wie der Regenbogen- scheinend in den grellsten Farben, alles schreit nach meiner Wichtigkeit, meinem Antlitz und jeder beneidet mich darum.

Mein Tier: Ein Pfau. Ist und bleibt er doch der Farbenprächtigste unter den Vögeln. Er ist  nicht nur ein Vogel, sondern hebt sich positiv von allen anderen ab. Nur die anderen können ihn nicht als den Schönen identifizieren wenn er sich verkriecht. Deshalb muss er raus, sein Federkleid präsentieren und alles klar machen: hier komme ich!

Eigentlich sitze ich nur da. Doch niemand sieht mir an was in mir vor sich geht. Ich versuch es mal wiederzugeben, doch ich kann gar nicht das treffen was ich wirklich meine- es geht so:Psychischeerkrankung#5Darsteller

Ich blicke mich umher und kann er gar nicht glauben: das hier soll eine psychosomatische Klinik sein?! Forschen Schrittes gehe ich auf diese Frau zu, so wie sie ausschaut noch eine Anfängerin, aber sie wird wohl wissen mit wem sie es zu tun hat. ,,He Sie da, wann kann ich eigentlich zum Orthopäden? Ich habe solche Rückenschmerzen! Und zum Frisör muss ich auch – überhaupt dringend benötige ich mal wieder eine Auszeit. Ich arbeite an einer Privatschule und erziehe drei Kinder- davon können Sie ja wirklich keine Ahnung haben. Wie alt sind Sie denn überhaupt wenn ich fragen darf?” Die Frau scheint nicht zu verstehen was ich will und vor allem WEN Sie vor sich hat! Sie vertröstet mich, will dass ich auf den Arzt warte und wie ich schon dachte Anfang 20  – pff, dass ich nicht lache, Lebenserfahrung hat man da ja wirklich nicht! Auf den Herrn Doktor bin ich ja nun wirklich mal gespannt, denken die doch immer, sie seien etwas Besseres. Und nun lässt er mich schon geschlagene 10 Minuten warten! Ich klopfe an die Bürotüre und möchte das Verfahren beschleunigen, dass kann doch nicht sein. Von einer Einrichtung die mir laut meiner Familie helfen soll erwarte ich wirklich einen besseren Service. “Guten Tag Frau Enrique, sie dürfen mich bekleiten, ich bin ihr behandelnder Arzt Herr Mandolf”, stellt sich ein großer schlacksiger Mann vor. Älter als vierzig ist der sicher auch nicht. “Ähm guten Tag.. aber haben Sie überhaupt einen Doktortitel? Von Amateuren habe ich die Nase nun wirklich gestrichen voll.”, stelle ich gleich mal klar. Er windet sich umher, wird wohl unsicher weil ich ihm auf den Zahn gefühlt habe. “Macht ja nichts, ich habe auch Erziehungswissenschaften, auf Lehramt, etwas Jura und Anatomie studiert. Sie können mir gerne glauben, ich weiß genau welche Therapie ich nun benötige und das ist eine Wellnessbehandlung. Danach geht es einer Frau gleich viel besser. Sie können sich das vielleicht nicht vorstellen aber ich Brauche meine wöchentliche Behandlung ansonsten entwickel ich Rückenschmerzen! Was bieten Sie denn da an? Haben Sie auch Fango?” Herr Mandel oder wie sich diese ungeeignete “Fachkraft” schimpft geht nicht auf mich ein. Arzt kann der wirklich nicht sein. Er denkt wohl ich bin nicht ganz orientiert im Oberstübchen, da kann ich ihn aber beruhigen und führe das Gespräch auf französisch weiter: ,,Parlez français?” ,,Or a little bit English?” ich warte vergebens auf eine Reaktion, war wohl nicht der hellste in der Schule. ,,Wissen Sie neben meiner Tätigkeit als Mutter- mit Leib und Seele- bin ich berufstätig, unterrichte an einem Privatgymnasium und pflege eine mehrsprachige Unterhaltungen. Können Sie das etwa auch?”