Die Freundschaft und das Groß werden

Es gibt viele Dinge, die sich in den ersten beiden Jahrzehnten ganz gewaltig verändern. Ob Selbstständigkeit, Selbstverwirklichung, Freiheitsbestrebungen, Verantwortungsbewusstsein,  Besitzvermehrungen, Moralisieren, Rationalisieren, Expandieren. Wir werden stärker, forscher, blühen meist auf mit den neu gewonnen Freiheiten, sind flexibel wie eh und je, können tun und lassen was wir wollen. Ziehen daheim aus und sind nur Herr(in) über uns selbst, gehen ins Bett Continue reading

Schrunden und Tape

Es ist endlich wieder warm genug mit gepacktem Rucksack ab in die Natur abzuhauen. Schmale Trampelpfade mitten im schönen Wald führen hinauf an den Ort, an dem Schweiß, Magnesia, Steine und vorallem Erfolgserlebnisse in Massen fliegen.Der bebilderte Führer in der Hand sagt noch nicht klar, wo unser heutiges Abenteuer stattfindet, was nicht zuletzt daran liegt, dass aus Trampelpfadperspektive weder andere begeisterte Kletterer noch die versteckten Felsen gesichtet werden können. Der beschwerliche steile und vorallem mit rutschenden Laubblättern bedeckte Laufsteg zwischen Geröll und Wurzeln kann in Vorfreude gefühlt sehr schnell überwunden werden und plötzlich aus dem Nichts ist die erste Wand zu erkennen.

Wie ein Unikat der Natur, hat auch dieser Fels eine ganz eigensinnige Art in Struktur, Form, Farbe, Höhe, vereinzelt wachsende Steinpflanzen, Aussparungen und helle Flecken, die von den Vorbesteigenden zeugen.

Obwohl es noch früh am Morgen ist, die Sonne oben am Himmel steht und der Abend noch in weiter Ferne liegt, legt sich eine freudige Erwartung über uns und das Equipment ist ratzfatz ausgepackt und angezogen. Der Klettergurt klimpert vom aneinander stoßenden Metall, der Partnercheck ob Sicherungsgerät und Achterknoten ordnungsgemäß angebracht sind kontrolliert nochmal – und die Reise kann losgehen.

Die ersten Meter gehen sehr flink und einfach, ich kann nicht glauben, dass die Route als eine fünf ausgeschrieben ist. Doch nach der ersten Sanduhr fehlt weit und breit der nächste Haken. Wie weit wage ich das Klettern ohne zweite Sicherungsstelle? Ich betaste den Fels in der Neugier, wo er bereit ist einen Kletterer zu tragen und werde fündig. Mit Erleichterung und auch etwas Stolz lege ich eine weiterer Sanduhr und erhalte von meinem Sicherungspartner Lob. Die nächsten Meter kosten Kraft, beweisen mir aber auch die bisherigen Fortschritte meiner bislang noch Recht kurzen Kletterkarriere. Ganz oben muss ich mich durch eine Schuppe an den letzten Punkt hinschieben. Meine Finger sind ganz schwitzig, meine Füße stehen auf einem kleinen Absatz. Ich überlege einen kurzen Moment ob ich aufgeben soll, die Angst was ist, falls ich einhändig die Toprope nicht einrichten kann und dann das letzte Stück womöglich ungesichert wieder runter müsste ist zwar da, aber mein Adrenalin vollgepumpter Körper handelt ruhig und gewissenhaft. Rechte Hand heben, Exe in die Schlaufe, gegenläufig die zweite und das Seil hochziehen. Meine Kraft lässt nach, ich halte das Seil zwischen den Zähnen um die letzen Zentimeter hochzuziehen, klipps es ein und fordere Zug. Endlich kann ich mich in den Gurt setzen, mich umschauen die Kulisse auf mich wirken lassen, mein schlagendes Herz und die prallen, spannenden Unterarme lockern. So weit oben über der Baumkrone fühle ich mich einfach nur frei, bin überwältigt und stolz, freue mich fast schon auf den folgenden Muskelkater, die langsam wachsende Hornhaut an meinem zarten Fingern und darauf, noch viele andere einzigartige Felsen so zu erfahren. Beim hoch als fordernder Gegner und oben drohnend, als sicherer Fels, der mein Gewicht stützt, mit seiner Beschaffenheit mich überhaupt hinauf gelassen zu haben.

Das Abseilen macht wie immer Spaß, geht ganz schnell und ähnlich wie beim Achterbahnfahren passt das Verhältnis zum Anstehen- Hochklettern- nicht.IMG-20170312-WA0056.jpg

Wie klettern noch ein paar andere Routen und die Zeit vergeht im Flug. Auf dem Rückweg bin ich sehr müde und doch noch voller Freude, dass das Wetter nun wieder öfter einen solch schönen Tag zulässt.

Ade Hallentraining, muffige Boulderecke, überfüllte Wände, die farbig  die Route definieren und wie Schmirgelpapier ein Stückchen Haut fordern. Hallo Freiheit in der grenzenlosen Natur!

 

Wie Mama und Papa uns die Welt erklären…

Neulich beobachtete ich in der Gemüseecke, im Supermarkt um die Ecke, wie ein kleiner Junge seine Mutter fragte, was denn das für grüne Kugeln seien. Die Mutter antwortete genervt, dass das Blumenkohl sei, aber das schmecke ganz fürchterlich. Der Junge fragte nicht weiter und die erhaltene Antwort schien ihn zufrieden zu stellen. Ernüchternd mahlte ich mir aus, wie viele Kinder und Erwachsene in der ach so fortschrittlichen Bundesrepublik, Continue reading

Die kleinen Dinge im Leben

Ohne Wecker aufgewacht, ein kontrollierender Blick auf das Handydisplay auf dem Nachttisch zeigt, es ist noch früh am Morgen. Ohne das zuletzt geträumte in Erinnerung zu haben, innerlich bleibt ein beflügelnder positiver Nachklang. Zwischen den Rollläden spalten lässt sich der Frühling erahnen. Ein kontrastreicher heller Schein zwischen den dunklen Balken. Ist es der blendende Himmel oder der Sonnenschein? Der Tag lockt, die Neugier was er heute bringen wird treibt aus dem warmen Bett. Leise aus den Laken stehlend, bedacht den noch selig schlafenden Partner nicht zu wecken, auf Zehenspitzen tippelnd, der Raum wird verlassen. Ganz sachte die Türklinge zurück in das Schloss gleiten lassen. Auf dem Weg zur Küche ein kleines Miau streift meine Beine. Und tippelt erwartungsvoll neben mir her. Ich lasse mich am Fenster neben der Heizung angelehnt auf dem Boden nieder. Die Katze sehnsüchtig sich streckt und das Köpfchen an meiner Hand reibt. Ihr Schnurren zeigt wie sie die Streicheleinheit genießt, versichert dass alles gut ist und es genau richtig war aufzustehen. Das Glück wird von uns geteilt, über den seltenen Moment der Ruhe frei von Zeit und Leistungsdruck. Ich öffne die Terassentüre und kalte frische Morgenluft strömt in das warme Heim. Das Gras ist mit Tau bedeckt, die Vögel singen zart. Statt in die aufgeweckte Kälte zu gehen, entschließe ich mich im Schutz der übergeworfenen Fransendecke am Fenster sitzend den Moment zu genießen. Die jungen Knospen an den Sträuchern zu erahnen, die Schnecke auf den Gartenfließen um ihre kontinuierliche langsame Fortbewegung zu bewundern und meine Katze beim Trinken am Teich zu beobachten. Ich freue mich daran, diesen Moment erleben zu dürfen. Den Blick für das schöne Alltägliche nicht durch Stress und Arbeitswut verloren zu haben. Manchmal braucht es gar nicht viel um glücklich zu sein.

Wie die Magie des Wochenendes verpuffte

Es ist Montag, der Tag an dem das Aufstehen besonders schwer fällt und auch um elf Uhr der Tag noch unendlich scheint. Die Motivation nun am Anfang einer Arbeitswoche zu stehen hält sich (noch) in Grenzen. Bei der Kaffeepause mit den Kollegen und Kolleginnen kommt Hoffnung auf : Nur noch viermal schlafen dann ist Wochenende. Doch auf was genau fiebern wir hin? Warum ist das Wochenende das Sahnehäubchen der Woche und das viermal im Monat? Gut, der eine mag das Ausschlafen. Gewohnheitstiere wie ich wiederum wachen auch ohne Wecker allerspätestens um acht Uhr auf und können den Tag gar nicht schnell genug beginnen. Ist es das lange Wachbleiben und auf Tanzflächen bis in den frühen Morgen das Tanzbein zu schwingen? Nicht für Lerchen, die spätestens um zehn genüsslich und dann immer öfter und drängender Gähnen müssen, wenn sie nicht gerade ein Mittagsschlaf von ca. fünf Stunden hinter sich haben. Oder ist es das Nichts tun müssen? Aktive Menschen wie ich, sind auch am Wochenende nicht gerade in Jogginghose in Reichweite der eigenen Sofawohnlandschaft anzutreffen. Ganz im Gegenteil, es lassen sich immer genug super dringende Tätigkeiten und To-Do Listen auch im privaten Umfeld (er-)finden. Ob der Kleiderschrank jedoch alle 3 Monate ausgemistet werden muss, was vielmehr das Reduzieren um ein Unterhemd bedeutet, das Auto alle drei Wochen gewaschen werden, obwohl am Tag darauf wieder Katzenpfötchen quer über das Dach zu sehen sind, oder gar am Wochenende besonders viel Sport gemacht werden muss, dafür dass Sonntagabend eine Tüte Chips zum Tatort gefuttert werden kann, ist natürlich Anschauungssache. Das Wochenende wird dennoch erwartet voller Sehnsucht und ist am Montag sowie Freitag Gesprächsthema Nummer eins im Kreis der Arbeitskollegen.

Schon als Kind wurde mir das Wochenende als Gegenstand der Planung sämtlicher Familienmitglieder vermittelt. Diskussionen ob das wertvolle Wochenende mit Schwimmbad, Wandern, Zoo, Verwandtschaft, Einladungen, Museen, Gartenarbeiten oder ähnlichem verbracht werden kann, zogen sich bis zum Samstag Morgen durch, als gäbe es nur dieses eine Wochenende und dannach nie wieder eins. Als Kind genoss ich die vermehrte Freizeit mit meinen Eltern, die werktags beide berufstätig waren sehr. Auch das Programm war mir weniger wichtig, Hauptsache wir hatten gemeinsam eine schöne Zeit miteinander. Von Freitag bis Sonntag galten jedoch auch andere Regeln. Statt fester Zubettgehzeiten, konnte der Restaurantbesuch auch mal darüber hinaus gehen. Feste mit befreundeten Familien endeten indem wir Kinder irgendwann auf dem Sofa einschliefen und das morgendliche Frühstück mit frischen Brötchen und dem Belag, der dem Herzenswunsch entsprach konnte sich schon einmal über zwei Stunden langziehen.

Doch seit ich ausgezogen bin, selbst Herr und Walter meiner  Freizeit bin hat das Wochenende für mich an magischer Kraft verloren. Zum Einen liefert meine Work-life Balance schon werktags Highlights kultureller, sozialer oder kulinarischer Art. Darüber hinaus versuche ich aktiv jeden Tag zu genießen, rauszuholen was geht und mir schöne Momente bewusst zu schaffen, sei es der Cappuccino am Mittag mit aufgeschäumter Milch. Andererseits sind auch die Wochenenden nicht so viel abwechslungsreicher und gigantischer im Vergleich zu den Werktagen. Manchmal fühlt es sich sogar komisch an, die Arbeitspause durch das Wochenende auferlegt zu bekommen, sodass ich mich auf den Montag freue. Manchmal nervt es mich am Sonntagmorgen ohne Wecker um sieben aufzuwachen und leise sein zu müssen auf Rücksicht der noch Schlafenden. Den Tag mit lesen beginnen zu müssen, da es draußen in Kübeln schüttet und ein Spaziergang ungemütlich werden würde. Niemand anrufen zu können, da ja ganz Deutschland ausschlafen möchte. Manchmal passt das Wochenende nicht zu meinem individuellen Rhythmus und ich frage mich, ob eine flexiblere Lösung dennoch die sozialen Momente aller Arbeitstätigen erhalten könnte. Was genau mir das Wochenende eigentlich bringt?

Doch manchmal, sei es an einem Osterwochenende oder einfach so, bekommt das Wochenende wieder einen magischen Charakter. Es sind die Tage an denen, ein Fest mit der Nahen Familie gefeiert wird und meine Geschwister sowie meine Eltern wieder gemeinsam unter einem Dach nächtigen. Die Nächte in denen das Licht schon lange aus ist und obwohl ich hundemüde bin, der flüsternde Austausch mit meiner neben mir schlafenden Schwester über Gott und die Welt, so wie früher im Kinderzimmer bis zum allerletzten “Gute Nacht” geht. Es sind die Morgen in denen meine Eltern, die noch früher selbst aufwachen schon das große Frühstück aufgetischt haben, der Kaffeeduft den Raum erfüllt und niemand geweckt wird, sondern nach und nach mit der inneren Uhr zum Frühstück -im Schlafanzug oder bereits geduscht in Alltagskleidung-  erscheint. Wenn man sich plötzlich doch so nah ist, obwohl das letzte Treffen in dieser Runde mehrere Monate her ist, die Rollen wieder so sind wie noch vor 10 Jahren und doch irgendwie schöner. Es sind Wochenende die für mich als Kind selbstverständlich waren und nun heute als erwachsene Frau ein kostbares Relikt meiner Kindheit darstellen. Die obwohl wir uns alle verändert haben doch zeigen, dass wir die Zeit als Familie miteinander geschätzt haben. Es sind Wochenenden an denen ich mehr denn je weiß, die Magie des Wochenendes, egal auf welche Art ebenfalls an meine eigenen Kinder mal vermitteln möchte.

Vom abweichenden Verhalten

Ob bewusst oder unbewusst – jede Handlung also bewusstes Verhalten des Menschen ist verbunden mit der Einhaltung oder Abgrenzung, der durch die Sozialisation erworbenen Werte und Normen. Wie komplex und vielseitig die Normen in einer Gesellschaft sind, kann auf den ersten Blick gar nicht wieder gegeben werden. Durch das Antrainieren, Sanktionieren bei Nichterfüllung sowie Vorleben der Vorbilder entwickeln wir automatisch ein Gefühl davon was “normal” und was eben Continue reading

Sorry, ich faste Arschlöcher.

Fasten. Jahr für Jahr treffe ich doch auf erstaunlich viele Menschen, die zwischen Fasching und Ostern plötzlich anders sind als sonst.

BierliebhaberInnen die bekannt für grenzenloses Feiern in jeder möglichen Lebenslage bekannt sind, sind plötzlich auf keiner Party mehr zu treffen und trinken zum Grillen alkoholfreies Bier. ,,Echte Kerle” die Wurst mit Brot (Anteil 2:1) als Grundnahrungsmittel Continue reading

Geheimrezept für Glücklich sein

Was wäre alles möglich, wenn das Patentrezept für Glück allen Menschen zur Verfügung stünde…

Wissen wie man von herben Enttäuschungen wieder Vertrauen zu Mitmenschen aufbauen kann, wie trotz Nichterfüllen eines tiefen Bedürfnisses nicht die Sehnsucht  den Geist  vereinnahmt, wie der Optimismus wieder einziehen kann obwohl grundsätzlich alles zu scheitern scheint,  wie trotz der gefühlten Ohnmacht gegenüber unüberwindbaren Herausforderungen die Selbstwirksamkeit offensichtlich erfahrbar bleibt, wie die tiefe eingebrannte Erinnerung des Schmerzes Continue reading